08.11.2018 
Die besten Adressen in Portugal

Wellness auf dem Weingut

Von Sebastian Bordthäuser, "Der Feinschmecker"

3. Teil: Quinta dos Murças: Zimmer mit viel Aussicht

Aus jedem der Zimmer hat man den mächtigen Douro im Blick. Der 897 Kilometer lange Fluss gibt der Region ihren Namen. Zu den Mahlzeiten treffen sich die Gäste am großen Tisch
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Aus jedem der Zimmer hat man den mächtigen Douro im Blick. Der 897 Kilometer lange Fluss gibt der Region ihren Namen. Zu den Mahlzeiten treffen sich die Gäste am großen Tisch

Verlässt man das Minho gen Südosten, kommt man in den Douro, der vor allem für Portwein, spektakuläre Landschaften, halsbrecherische Kurven und den großen gleich namigen Fluss bekannt ist. Anfang der 90er- Jahre hat man begonnen, hier auch trockenen Wein auszubauen - mit Erfolg. In den vergangenen zehn Jahren hat sich diese Entwicklung verstärkt. Mehr und mehr Güter haben sich trockenen Weinen verschrieben und erzeugen erst rangige Qualität.

Bei einer dieser Quintas sitzen wir auf der schattig umrankten Terrasse und genießen die Aussicht über den Douro. Da bringt Ana Maria, die Haushälterin, Köchin und gute Seele des Hauses, etwas lokalen Käse, deftiges Brot mit krachender Kruste und eine Flasche Assobio branco zur Überbrückung der Wartezeit: Der Chefönologe José Luís Moreira da Silva sitze noch in einem wichtigen Meeting. Eine Viertelstunde später reicht sie zwei knusprige Stücke Spanferkel mit Orangen nach. So warten wir gern etwas länger.

Gastfreundlich wie die erste Stunde vergeht auch die weitere Zeit auf der Quinta dos Murças. Sie liegt direkt oberhalb der kleinen Station Covelinhas an der Bahnlinie zwischen Porto und Pinhão entlang des Douro, einer der schönsten Strecken der Welt. Murças, 1714 gegründet, wurde vor zehn Jahren von der Familie Roquette erworben, die bereits im Alentejo das Gut Esporão samt Weintourismus betrieb. Vor dem Kauf hatte die Quinta überwiegend Fasswein für die großen Portweinhäuser gekeltert. Heute liegt der Schwerpunkt auf Stillweinen, auch wenn natürlich weiterhin ein kleiner Teil Port produziert wird. Die gesamte Quinta ist jetzt biodynamisch zertifiziert - eine Ausnahme im Douro. Der Keller wurde auf den aktuellen Stand der Energieeffizienz gebracht.

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Das alte Gutshaus, liebevoll im traditionellen Stil renoviert, stand zunächst nur für Kunden und Geschäftspartner zur Verfügung. Voriges Jahr dann haben sich die Betreiber entschieden, es als Hotel der Öffentlichkeit zugänglich zu machen - jedoch nicht im klassischen Sinne: Wer hier wohnt, kann aktiv am täglichen Leben des Weinguts teilnehmen. Es gibt keinen Zimmerservice, keine Minibar, keinen Fernseher und auch keine Speisenkarte.

Gegessen wird, was die begnadete Köchin Ana Maria mit viel Liebe aus lokalen Produkten zaubert. Allein das ist ein Grund für die Anreise, denn das Douro verfügt über eine Reihe von Köstlichkeiten. Geräuchertes vom Metzger aus dem benachbarten Pinhão, von schwarzen Schweinen aus eigener Aufzucht, Quittenbrot zu dem exzellenten Käse aus Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch, eigenes Olivenöl sowie der köstliche Orangensaft schmecken bereits zum Frühstück, bevor man die Umgebung erkundet oder auf dem Gut mithilft.

Der Zeitpunkt des Besuchs definiert dabei, welche Arbeiten infrage kommen: Vom Rebschnitt im Frühjahr bis zur Lese im Herbst mit traditionellem Traubentreten ist alles möglich - aber nichts Pfl icht. Wer lieber ausspannen möchte, liegt am Pool im Schatten und genießt den Duft der unzähligen Orangenbäume, spaziert durch die Weinberge oder erkundet den Fluss mit dem hauseigenen Solarboot. Die Quinta bietet fünf Zimmer und kann auch komplett angemietet werden, ideal für Familien oder Gruppen.

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