08.11.2018 
Die besten Adressen in Portugal

Wellness auf dem Weingut

Von Sebastian Bordthäuser, "Der Feinschmecker"

2. Teil: Quinta do Ameal: Luxus inmitten des Nichts

Um die Quinta do Ameal zu erreichen, muss ich zunächst meine eigenen Zweifel überwinden. "Das kann unmöglich der richtige Weg sein", wende ich ein, als wir den Schildern zum Weingut folgen und die befestigte Straße verlassen. Auf Feldwegen mit Schlaglöchern durchqueren wir Rebberge, fahren über den Innenhof eines alten Bauernhofes - und kommen schließlich doch am Eingang der Quinta Ameal an.

Sie liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Porto, nahe dem pittoresken Örtchen Ponte de Lima, im Vinho-Verde-Gebiet. "Nix für tiefer gelegte Autos", notiere ich in mein Büchlein, als die Gutsverwalterin Iolanda Alves uns lächelnd willkommen heißt und auf die offensichtlich schon seit geraumer Zeit überwucherte Einfahrt zeigt, die wir wohl übersehen haben. Die Luft duftet üppig und süß nach dem Blauregen, der als riesige Pergola Schatten spendet.

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Von außen wirkt alles wie ein betagter, verlassener Bauernhof. "Ist es auch", erklärt Alves und zeigt uns das Anwesen, einen alten Misch betrieb mit Maisspeichern und Stallungen. In den ehemaligen Stallungen wird heute Wein gemacht. Das Gut hat sich der Pfl ege der heimischen Rebsorte Loureiro verschrieben und produziert einen der besten Vinho Verde der Region, einen seriösen Weißwein: feinduftig, zart, mit lebendiger Säure. Kein Wunder, der beratende Önologe ist Anselmo Mendes, der Innovator des Vinho Verde.

Alves kümmert sich neben den Weinbergen auch um das vor drei Jahren eröffnete Hotel. 2015 wurden die fünf Zimmer - drei im Haupthaus, zwei im Nebengebäude - renoviert und in ein schmuckes Boutiquehotel verwandelt. Die Einrichtung ist geschmackvoll: Klare Linien und kubisches Design mit Industrie- und Antik- Akzenten in überwiegend skandinavischem Ambiente, das ergibt einen eigenständigen Stilmix mit viel Holz und Naturmaterialen. Bis auf die große Suite hat jedes Zimmer ein eigenes Open-Air- Bad mit großer Dusche und Blumendeko. Ein kleiner Pool für alle Hausgäste schafft ein ruhiges Plätzchen oberhalb des Gartens, das einzige Geräusch hier ist das Rauschen des Flüsschens Lima am Fuße des Weinguts. Ein paar imposante Greifvögel kreisen am Himmel. Der perfekte Rückzugsort.

"Nicht schlecht für die Flitterwochen", sinniert meine Begleitung, als ich den Garten begutachte und in die Küche blicke. "Das Frühstück ist inklusive", sagt Iolanda Alves, "wer zu Abend essen will, kann das auf Vorbestellung gerne tun." Die Gäste können ihr in der großen offenen Küche über die Schulter schauen. Wem das nicht reicht, der kann einen Kochkurs buchen und wird in die Geheimnisse der Zubereitung von Stockfi sch oder Spanferkel eingeweiht.

Ansonsten gibt es in der Nähe einen Golfplatz, wie bereits die Schläger des Hausherrn an der Rezeption verraten. Die Quinta hält eine Karte mit den nahe gelegenen Wanderwegen durch die Naturschutzgebiete bereit, und man kann ein Bötchen leihen, um auf dem Fluss zu paddeln. Am Besten genießt man in diesem Juwel aber die Abgeschiedenheit und je nach Laune die Möglichkeit, selbst zu kochen, denn alle Zimmer sind mit einer Küche ausgestattet. Bei Fragen hilft Iolanda Alves gerne weiter.

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