05.01.2018  Wo man in Bangkok am besten isst

Sternenküche am Straßenstand

Thai Food ist beliebt. Jüngst adelte sogar der Guide Michelin Bangkok mit einem ersten eigenen Restaurantführer. Die "Stadt der Engel" ist nun auch die "Stadt der Sterne".

Meterhoch schießen Flammen aus dem Wok. Eine normale Küche würde längst lichterloh brennen. Bei Ann Guay Tiew Kua Gai in Bangkoks China Town aber wird unter freiem Himmel gekocht - in einem schmuddeligen Hinterhof, in dem die meisten Deutschen nicht einmal ihr Auto abstellen würden. Der Anblick von Krabbeltierchen und Essensresten auf dem Boden lässt den westlichen Magen krampfen, der betörende Duft von Sojasoße, Knoblauch und Chili in der schwülheißen Luft das Wasser im Mund zusammenlaufen.

"Wer sehr empfindlich ist, darf halt nicht so genau hinschauen", sagt Naiyana schmunzelnd. Die Thailänderin begleitet Touristen auf kulinarische Streifzüge durch Bangkok, dem der angesehene "Guide Michelin" für 2018 erstmals einen Restaurantführer gewidmet hat. "Für authentisches Street Food muss man sich manchmal etwas überwinden." Nicht nur wegen frittierter Insekten und Innereien-Spießen.

Mit einem Tuk Tuk düst Naiyana abends durch das Verkehrsgewühl von einem Lokal zum anderen, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Vor allem der Königspalast und der Wat Pho sind magisch, wenn die von Gold und bunten Mosaiksteinchen überzogenen Tempel, Pagoden und Buddha-Statuen in der Nacht erstrahlen. Bevor sie ihre Schlemmertour fortsetzt, geht Naiyana mit ihren Gästen auf ein Bier in die Rooftop-Bar "Eagles Nest" direkt gegenüber dem imposanten Tempel der Morgenröte, Wat Arun.

Lesen Sie auch: 48 Stunden in Bangkok

Auf der vierstündigen Bangkok Food Tour stoppt Naiyana mit dem knatternden Tuk Tuk auch vor Läden, in die westliche Besucher allein keinen Fuß setzen würden. Dort sitzen Einheimische dicht gedrängt auf Plastikstühlen an blanken Tischen. Grelles Neonlicht beleuchtet kahle Wände, an denen Portraits des verstorbenen Königs Bhumibol hängen. In irgendeiner Ecke steht fast immer ein mit Blumen und Opfergaben geschmückter Buddha. Rund 95 Prozent der Thailänder sind Buddhisten.

Gekocht wird wie bei Ann Guay Tiew Kua Gai im Hinterhof oder wie bei Toom Jim Joom gleich auf dem Gehweg in kleinen Lavasteintrögen. Über glühender Holzkohle liegen Grillroste, Suppen- und Reistöpfe dampfen vor sich hin. An Haken hängen Fleischstücke, Innereien, Hühnerfüße. Der Regierung sind die Garküchen an den Hauptstraßen ein Dorn im Auge, ein Verbot war geplant. Mit ihrem Feldzug für mehr Ordnung und Sauberkeit haben die Behörden aber die Bevölkerung gegen sich aufgebracht. Nach Protesten gab die Regierung klein bei.

So einfach die Garküchen auch sind, was dort in Windeseile zubereitet wird, ist köstlich: Bei Restaurant-Besitzer Toom sind es Klassiker wie Grüner-Papaya-Salat und Tom-Yung-Gang-Suppe. Der Renner in Anns Lokal in China Town sind gebratene Nudeln mit Hähnchen oder Garnelen. Auf das Gericht wird ein rohes Ei geschlagen, das nur durch die Hitze der Nudeln leicht gart und alles zu einer cremigen Einheit verbindet.

Die Gerichte sind purer Genuss, sofern man nicht in die Chili-Falle tappt. "Weniger scharf" ist für Nicht-Thailänder immer noch höllisch scharf, "normal scharf" kaum genießbar.

1 / 3

Mehr zum Thema