19.12.2017  Kaviarhändler Markus Rüsch empfiehlt es schlicht

"Bier schmeckt besser zu Kaviar als Champagner"

Von Kersten Wetenkamp, "DER FEINSCHMECKER"
Pieter-Pan Rupprecht für Der Feinschmecker

Markus Rüsch, Deutschlands erfolgreichster Kaviarhändler, ist mit dem edlen Produkt aufgewachsen. Sein Ziel: Kaviar soll aus aus der Dekadenz-Ecke und vielen Menschen Freude machen.

Markus Rüsch ist anders. Anders, als man es erwartet, wenn man den umtriebigen Kaviarhändler in seinem schlichtmodernen Büro in einer Seitenstraße Hamburg-Altonas besucht. Der "Altonaer Kaviar-Import", kurz "AKI", ist ein schmales Stadthaus aus der Gründerzeit. Wäre da nicht der typische Kaviar- und Meeresduft überall im Haus, könnte man auch in einer gediegenen Arztpraxis sein, schon der blauen Teppiche und hohen Decken wegen.

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Rüsch, Typ rastloser Hamburger Kaufmann, ist sehr schlank, sportlich, die grau melierten Haare trägt er zurückgekämmt. Der 53-Jährige ist fast ständig unterwegs, immer in Eile, telefoniert viel - essentiell dafür, wenn man so vernetzt sein muss wie er: eine kräftige Stimme mit unverkennbarem Hamburger Kolorit. Der schöne Sportwagen in der Straße ist seiner. Und doch: Hanseaten geben ja was aufs Understatement.

Markus Rüsch lehnt sich in seinem Chefsessel zurück, lächelt sein verschmitztes Lächeln und sagt: "Mein Lieblingsgericht mit Kaviar? Kartoffelpüree und Spiegelei. Dazu ein schönes Pils. Bier schmeckt viel besser zu Kaviar vom Sibirischen Stör als Champagner. Ich will es einfach. Einfach ist am besten!" Rüsch verkauft mit 50 Mitarbeitern jährlich 400 Tonnen Rogen von Lachs, Forelle und Seehase (die sogenannten "Trend-Kaviare") an gute Supermärkte und rund 10 Tonnen Störkaviar an Feinkosthäuser und Spitzenköche. Das ist gut, aber Rüsch ist noch nicht am Ziel.

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Er will den Kaviar aus seinem "Luxusghetto" holen. Er, selbst eher bodenständig, arbeitet unbeirrt gegen das gängige Vorurteil "Kaviar gleich Dekadenz" an. "Klar ist Kaviar ein exklusives Produkt", räumt er ein, "aber gerade heutzutage können es sich viel mehr Menschen leisten als früher. Eine 100-Gramm-Dose Störkaviar in ordentlicher Qualität bekommen Sie schon für 80 Euro. Früher musste man dafür bis 2000 Euro hinblättern."

Früher - davon kann Markus Rüsch so viel und gut erzählen wie kaum ein anderer aus der Branche. Er ist ja quasi mit dem Kaviarlöffel (aus Horn!) im Mund aufgewachsen. Schon 1925 wurde die Firma gegründet, im selben Haus, "wir sitzen hier noch in der Urzelle". Damit dürfte das "AKI" Deutschlands ältestes noch bestehendes Kaviarhandelshaus sein. Rüsch übernahm das Geschäft 2001 von seinem Vater Gustav. "Bei uns zu Hause gab es natürlich oft Kaviar", sagt Rüsch, "jeden Sonntag Sevruga-Kaviar, den vom wild gefangenen Stör aus dem Kaspischen Meer. Das war zwar Luxus, aber damals noch erschwinglich."

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