11.03.2018 
Gut für Herz, Kreislauf und Leber

Warum Kaffee auch Medizin sein kann

Espresso wird länger geröstet und kürzer gebrüht. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann deshalb ausprobieren, ob er den Kurzen besser verträgt.
Christin Klose/dpa-tmn
Espresso wird länger geröstet und kürzer gebrüht. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann deshalb ausprobieren, ob er den Kurzen besser verträgt.

2. Teil: Je länger geröstet, desto bekömmlicher

Koffein ist zwar der bekannteste, bei weitem aber nicht der einzige Stoff aus dem Kaffee, der im menschlichen Körper Wirkung zeigt. Insgesamt verfügt das Getränk über mehr als 1000 Wirkstoffe, erklärt Martin Scherer, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Was genau sie im Körper tun und wie sie zusammenwirken - das weiß noch niemand.

Im Bezug auf einige Wirkstoffe unterscheiden sich auch die unterschiedlichen Bohnensorten. Wer einen empfindlichen Magen hat und dennoch nicht ganz auf Kaffee verzichten möchte, kann daher auch unterschiedliche Sorten ausprobieren. Espresso als Alternative zu testen sei ebenfalls einen Versuch Wert, sagt Warnecke. Er verursache weniger Magenprobleme.

Generell gilt: Je länger und schonender die Bohnen geröstet werden, desto bekömmlicher wird das Getränk. Beim Espresso kommt das Wasser zudem kürzer mit dem Pulver in Kontakt. Auch dadurch enthält er weniger potenziell magenreizende Stoffe. Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel dagegen sollten eher zu Filterkaffee greifen, rät Sina. Vermutlich durch die Filterung werden Bestandteile aus dem Kaffee entfernt, die sich laut Studien negativ auf den Cholesterinspiegel auswirken.

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Wie gesund Kaffee ist, hängt dem Ernährungsmediziner zufolge auch von ganz individuellen Gegebenheiten ab. Zusammenhänge vermuten Wissenschaftler laut Sina mit den Darmbakterien eines jeden Einzelnen. "Wenn Sie mich fragen: Schon bald werden wir testen können, wie genau Ihr Mikrobiom aussieht. Und aufgrund dessen sagen können, ob Kaffee für Sie persönlich gesund oder eher weniger gesund ist." Prof. Sina ist neben seiner Tätigkeit als Institutsdirektor auch Minderheitsgesellschafter eines aus der Universität heraus gegründeten Start-ups, das kostenpflichtige Tests zu personalisierten Ernährungsempfehlungen anbietet.

Scherer und Sina zufolge sollten nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem Frauen vorsichtig sein, die von Knochenschwund betroffen sind. Außerdem sollten Schwangere in den ersten Schwangerschaftswochen möglichst auf Kaffee verzichten oder zumindest ihren Frauenarzt um Rat fragen.

Alle anderen tun gut daran, auf ihren Körper zu hören. Wer schon nach einer Tasse das große Flattern verspürt, steigt vielleicht lieber auf eine koffeinfreie Variante um. Wem von Kaffee schlecht wird, der trinkt besser Tee. Wer dagegen ohne seine Koffeindosis morgens gar nicht aus dem Quark kommt, darf sich ruhig das eine oder andere Tässchen genehmigen.

Teresa Nauber, dpa

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