28.02.2018 
Lauftipp des Monats

Laufen bei Kälte - wann wird das Wetter zur Gefahr?

Von Sonja von Opel

Laufen geht auch bei Kälte - wenn man weiß, worauf man achten muss.
DPA
Laufen geht auch bei Kälte - wenn man weiß, worauf man achten muss.
Sonja von Opel
  • Copyright: Michael Reusse
    Michael Reusse
    Sonja von Opel ist Laufexpertin und Lebensläuferin. Mit einer Marathonbestzeit von 2:52h und als erfolgreiche Ultraläuferin gibt sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Laufen in Laufcamps, Vorträgen, Büchern und vor allem als Online-Coach von über 100 Athleten pro Saison mit großer Begeisterung weiter. Als Geschäftsführerin der "Sonja von Opel Sports GmbH" bewegt sie nicht nur ihre Athleten vom Schreibtisch aus, sondern veranstaltet das ganze Jahr hindurch Laufreisen, Trainingscamps und Sportevents:

    www.opelrunningteam.com

Tacheles geredet: Im Winter ist es kalt und im Sommer ist es warm. So wollen wir es doch schließlich, und wenn es nicht so kommt, dann schimpfen alle über das veränderte Klima. Manchmal ist es im Sommer sehr, sehr warm und im Winter sehr, sehr kalt. Herrlich! Dann haben wir nämlich endlich alle wieder was, worüber wir reden können. Das Wetter!

Gerade ich als Lauf-Coach arbeite mit dem Wetter eng zusammen. Ich nutze die Hitze als Trainingstool für meine Athleten und verspreche ihnen, dass sie dann im Herbst bei kühleren Temperaturen nur so fliegen werden. Frisch gefallener Schnee kommt wie gerufen, wenn es darum geht eine Laufstilübung auf freiem Feld zu machen: Hoch die Knie! Bei Dauerregen können wir unseren Charakter testen und die wasserdichte Kleidung gleich mit.

Aber wenn die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen, dann habe ich einen schweren Stand als Trainerin, die ihre Schäfchen vor die Tür jagen will. "Das vertragen meine Bronchien nicht", "Meine Muskeln werden gar nicht warm", "Das ist mir zu gefährlich", "Ich kann bei minus 12 Grad kein Tempotraining machen!" All diese Sätze erreichen mich in diesen Tagen, in denen zwar der meteorologische Winter zu Ende geht, die erbarmungslose Kältewelle aus dem Osten aber Deutschland ganz schön in Aufruhr bringt.

Ich gebe zu, dass es sehr viel einfacher ist, bei plus 12 bis 16 Grad die Laufschuhe zu schnüren, um draußen eine Runde zu drehen, als bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, aber sind wir doch mal ehrlich: Sind das nicht die Läufe, an die wir uns noch lange und mit Stolz zurückerinnern?

Oder mal anders gefragt: Wenn Sie einen teuren Skiurlaub in Lech am Arlberg gebucht haben, dann bleiben Sie bei strahlendem Sonnenschein und Pulverschnee auch nicht im Hotel, nur weil das Thermometer minus 15 Grad zeigt, oder? Sie ziehen sich ordentlich warm an und treiben ein paar Stunden Wintersport der schönsten Art. Warum soll das beim Laufen anders sein? Wer ein paar Details richtig macht, der riskiert definitiv nicht seine Gesundheit, sondern maximal eine Verwarnung wegen Verstoß gegen das Vermummungsverbot - ach, das gilt aber ja zum Glück nur in Österreich.

1 | 4

Mehr zum Thema