04.07.2018 
England siegt 4:3 gegen Kolumbien, jetzt gegen Schweden

England es kann doch - Viertelfinale nach Elfmeterschießen!

Seht her, es ist vollbracht! Harry Kane verwandelte gegen Kolumbien nicht nur einen Elfmeter
DPA
Seht her, es ist vollbracht! Harry Kane verwandelte gegen Kolumbien nicht nur einen Elfmeter

Es war eine harte Partie mit etlichen hässlichen Fouls und sogar einer Tätlichkeit eines Kolumbianers - die der Schiedsrichter aber nicht regelgemäß ahndete. Kolumbien rettete sich durch ein spätes Tor in der Nachspielzeit in die Verlängerung. Das Elfmeterschießen entschied England für sich und beendete damit einen viele Jahre währenden Fluch.

Als Eric Dier England im Elfmeterschießen ins grenzenlose Glück geschossen hatte, kannten Erleichterung und Jubel keine Grenzen mehr. Dier und Torhüter Jordan Pickford, der zuvor den Schuss des Kolumbianers Carlos Bacca pariert hatte, lagen unter einem Berg von Mitspielern begraben. Das nationale Trauma ist besiegt, nach dem ersten WM-Sieg in einem Elfmeterschießen machen die jungen Löwen dem Mutterland des Fußballs weiter Hoffnung auf den ganz großen Coup bei der WM in Russland.

"Ich war nervös, ich war noch nie in so einer solchen Situation. Ich bin dankbar, dass ich den getroffen habe", sagte Dier und lobte Torhüter Pickford: "Er ist brillant." Der Schlussmann vom FC Everton sagte selbstbewusst: "Es kommt drauf an, in diesem einen Moment da zu sein, und ich war es."

England, das zuvor drei Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften verloren hatte, gewann die finale Nervenschlacht vom Punkt mit 4:3. Für England hatte im Thriller vom Punkt zuvor James Henderson verschossen, für Kolumbien Mateus Uribe. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 0:0) gestanden. Das nationale Trauma ist vorerst vergessen, der seit Jahren erfolglose Weltmeister steht im Viertelfinale, zum ersten Mal seit dem Turnier 2006 in Deutschland.

Nach dem nervenzehrenden Sieg gegen eklige Kolumbianer, die ohne James Rodriguez von Bayern München antreten mussten, treffen die Three Lions nun am Samstag in Samara auf Schweden (16.00 Uhr MESZ/ARD). 2014 waren die Löwen in der Vorrunde gescheitert, 2010 im Achtelfinale an Deutschland.

England hatte bis in die Nachspielzeit der regulären Spielzeit wie der sichere Sieger ausgesehen. Dann kam der baumlange Yerry Mina im Strafraum zum Kopfball und glich aus (90.+3) - es war schon sein drittes Tor im Turnier. In der Verlängerung waren die giftigen Kolumbianer zwischenzeitlich näher am Sieg.

Harry Kane, wer sonst, hatte England zuvor in Führung gebracht. Per Elfmeter. Nach einem ungeschickten Foul von Carlos Sanchez an Kane und minutenlangen Diskussionen traf der Torjäger in die Mitte des Tores. Es war bereits der dritte Strafstoß, den er im laufenden Turnier verwandelte (57.). und sein sechster Treffer insgesamt. Auch im Elfmeterschießen traf er sicher.

James fehlte Kolumbien merklich

Ohne James war Kolumbien erst in der Schlussphase und in der Verlängerung in der Lage, England zu gefährden. Die Mannschaft von Coach Gareth Southgate hatte lange sehr sicher gestanden. Doch die Patzer beim Ausgleichstreffer, den Kieran Trippier auf der Torlinie nicht verhindern konnte, schien sie zunächst zu verunsichern.

Nach vorne fehlte den jungen Löwen die Durchschlagskraft gegen die sehr robusten Kolumbianer, die vor allem nach dem Elfmeter von Kane durch Provokationen und peinliche Schauspieleinlagen eher unangenehm auffielen. Erst danach besannen sie sich wieder aufs Fußballspielen.

James konnte lediglich auf der Tribüne mitfiebern, er stand wegen wegen eines Blutergusses in der rechten Wade, zugezogen beim letzten Gruppenspiel gegen den Senegal (1:0), nicht im Kader. Der Torschützenkönig der WM 2014 hatte bereits das erste Gruppenspiel gegen Japan (1:2) verpasst. Harry Kane war dagegen selbstverständlich wieder dabei, nachdem Coach Southgate ihn im letzten Gruppenspiel gegen Belgien (0:1) zur Schonung aus der Mannschaft rotiert hatte.

Schwacher Schiedsrichter - Kein Rot für Kopfstoß von Kolumbiens Barrios

Löcher in die körperlich sehr robuste kolumbianische Abwehr zu reißen, erwies sich allerdings als schwierige Aufgabe. Kane ließ allerdings nichts unversucht, als Kapitän ging er voran, war viel unterwegs, ließ sich fallen, half hinten aus, holte sich hinten den Ball ab und kurbelte an. Auch noch in der Verlängerung.

Nach einem Foul am Oberlöwen hatten die Kolumbianer etwas Glück, dass sie weiter mit elf Mann spielen konnten: In der Freistoßmauer stieß Wilmar Barrios mit dem Kopf gegen das Kinn von Jordan Henderson, doch Schiedsrichter Geiger beließ es bei Gelb (42.).

sid

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