22.06.2015  Fitnesstrend Freeletics

"Für normale Menschen kaum zu schaffen"

Von Matthias Jung, dpa
TMN / Freeletics

Die Übungen sind nicht neu, aber sie tragen beim Fitnesstrend Freeletics neue Namen. Kniebeugen heißen Squats, Liegestütze nennen sich Pushups, Froschsprünge sind Froggers. Philipp Hagspiel behauptet auch nicht, dass die Freeletics GmbH in München das Rad neu erfunden habe. Aber man habe "die Übungen in eine neue Form gepackt, damit die Leute nicht ziellos und wahllos trainieren, sondern effizient und nachhaltig", sagt der Direktor für Forschung und Entwicklung.

Das Besondere an Freeletics: Die Athleten trainieren nur mit dem eigenen Körpergewicht, benutzen also keine Geräte - ein Trend, den auch Stars wie Fitness-Guru Mark Lauren initialisiert haben. Ihre regelmäßig nach Leistungsstand aktualisierten Trainingspläne erhalten sie von einem elektronischen Coach, den sie auf der Internetseite des Unternehmens oder via Smartphone-App abrufen können. Damit haben sie die Möglichkeit, an jedem Ort und zu jeder Zeit ihr Sportprogramm zu absolvieren. Auch andere Anbieter wie Gymondo oder Fitnessraum versorgen ihre Nutzer mit Übungen oder Programme via App oder online - fernab von Fitnessstudios oder Sportvereinen.

Freeletics verspricht viel. "Die Form Deines Lebens. Garantiert", stellen die Münchner auf ihrer Homepage in Aussicht - und das in nur 15 Wochen. Und sie fordern ihre Kunden dafür enorm. "Das ist auch gewollt. Es geht nicht darum, in seiner Komfortzone zu trainieren. In der Komfortzone befinden wir uns viel zu häufig", sagt Hagspiel.

Die Workouts haben Götternamen

Für "junge, gesunde und fitte Menschen" sei das Programm gut, findet Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Sportanfänger jenseits der 30 sollten aber zunächst in ein Studio gehen und sich vorbereiten, empfiehlt der Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation.

Das Training besteht aus Workouts mit Götternamen wie Aphrodite oder Venus. Sie dauern zwischen 15 und 45 Minuten und setzen sich aus verschiedenen Übungen wie Klimmzügen oder Jumping Jacks (Hampelmännern) zusammen. Dazu kommen Läufe und Sprints. Auch zur Ernährung bekommt man Tipps. Der Leistungsindikator besteht in der korrekten Ausführung und in der Frage: Wie viele Übungen schaffe ich in welcher Zeit? Das neue Programm "2x2" ermöglicht Workouts auf engstem Raum, etwa auf Geschäftsreisen im Hotelzimmer.

Kern ist das High Intensity Training (HIT), also hochintensive Einheiten von kurzer Dauer, die den Sportler an die Leistungsgrenze bringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Kraft-Ausdauer-Komponente, erklärt Hagspiel. Dieser Fitnessbereich biete "die größten Hebel, um Leistung zu maximieren, also möglichst viel Arbeit in möglichst kurzer Zeit zu vollbringen. Das ist genau das, was uns als Training so effizient macht, das heißt schnelle Ergebnisse zu liefern."

Das Freeletics-Programm findet Michael Branke, Pädagogischer Leiter der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (DFLV) "extrem" und für normale Menschen kaum zu schaffen. "Ich glaube, dass viele an der Überlastungsgrenze trainieren. Aber manche mögen das ja auch."

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