10.02.2019 
Neue Wohnmobile

Je kleiner, desto feiner

TMN/ Karmann Mobil

2. Teil: Leichtbau und clevere Klapplösungen

Laut CIVD verzichten die neuen kleineren Wohnwagen vor allem bei den Traditionsmarken auf kaum etwas, was es nicht auch in größeren Modellen gibt. "Der kleinere Raum bedeutet keinen Verzicht", sagt Onggowinarso. Es sei die technologische Entwicklung, die dies ermögliche, denn auch viele Dinge im Innenraum sind geschrumpft: LEDs benötigen weniger Bauraum als Glühbirnen, TV-Bildschirme sind längst flat, es gibt Zusatzböden und clevere Klapplösungen, die den Raum multifunktional nutzbar machen.

Mit elektrischen Komponenten - wenn zum Beispiel Heizung, Fernsehen, Klimaanlage, Licht oder Wasserfüllstände über ein Panel oder per App zentral gesteuert oder kontrolliert werden können - steigt aber auch das Gewicht. "Dem wird mit Leichtbau entgegengesteuert", so Onggowinarso. Und wenn das Gespann dann doch einmal samt Zuladung die 3,5-Tonnen-Grenze überschreiten sollte, können Fahrer den Zusatzführerschein B96 machen. "Das ist ein eintägiger Kurs mit theoretischem und praktischem Teil." Wer besteht, darf mit einem Gespann von bis zu 4,25 Tonnen in den Urlaub starten.

Für Wohnmobile gibt es eine vergleichbare Zusatzlizenz nicht - aber angesichts des laut CIVD stark gewachsenen Angebots an kleinen Fahrzeugen auf Basis von Hochdachkombis oder Vans benötigen Reisemobilisten sie auch nicht unbedingt. "Im Vanbereich hat sich einiges getan", stellt Onggowinarso fest. So kommen immer mehr Basisfahrzeughersteller hinzu. Das zeigt auch der Pössl-Umbau des Citroën Spacetourer mit Aufstelldach, Campster getauft, als Alternative zum 7500 Euro teureren VW California.

Bei Fiat muss nicht mehr alles auf dem Ducato basieren, auch den Talento im Kleinbusformat gibt es als Camper - von Karmann Mobil. Nissan bietet den mit fünf Metern gleich langen Lieferwagen NV300 als campingtauglichen Michelangelo mit Bettmodul und Küchenzeile. Den mit gut 4,50 Meter ultrakompakten Nissan Evalia findet man als Umbau allerdings nur bei kleinen Spezialfirmen. Einen Grund, aus dem sich die Wohnmobile auf Van-Basis wachsender Beliebtheit erfreuen, sieht Onggowinarso auch in ihrer doppelten Nutzbarkeit: "Sie taugen anders als große Reisemobile für den Alltagseinsatz - die Kinder von der Schule abholen, den Wochenendeinkauf erledigen."

Und auch eine Fahrzeuggattung tiefer wächst das Camping-Angebot: VW bewirbt den 4,53 Meter kurzen Caddy Beach mit Liegen und Außenzelt als "kleine mobile Ferienwohnung". Auf Basis des 30 Zentimeter längeren Caddy Maxi als Ausbau von Reimo bekommt man dann auch noch Kochgelegenheit, Waschbecken, Tisch und Schränke dazu. Ebenfalls bei Spezialfirmen zu bekommen: Nachrüstsets mit Bett, Schränken und Kochmodulen für den Kofferraum von Minivans wie dem VW Touran.

Selbst fürs Fahrrad gibt es mittlerweile Wohnanhänger. Dethleffs zeigte mit dem Modell Biker auf dem Caravan Salon 2010 ein solches Konzept, als reines Showobjekt. "Die Resonanz war riesig", sagt Marken-Sprecher Helge Vester. "Wir haben das damals nicht weiter verfolgt." Heute, in Zeiten des E-Bike-Booms, "wäre die Situation eine ganz andere". Konkrete Pläne, den Biker wiederzubeleben, verfolgt Dethleffs trotzdem nicht.

Nägel mit Köpfen macht die dänische Firma Wide Path Camper: Das gleichnamige Gefährt ist ein von 1,50 Meter auf 2,80 Meter ausziehbarer 45 Kilo wiegender Miniwohnwagen fürs Fahrrad, der ein rund zwei mal knapp ein Meter messendes Bettmodul bietet, das zu Bank und Esstisch umfunktioniert werden kann. Das optionale Küchenpaket enthält Ofen, Kühlbox, Spülschüssel und einen faltbaren Wassertank, auch Solarzellen und USB-Buchsen gibt es. Die Preise beginnen bei 4000 Euro pro Mini-Camper. Das erscheint viel - doch immerhin kommt man ohne ein motorisiertes Zugfahrzeug aus.

Stefan Weißenborn, dpa

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