01.03.2017  VW-Truck-Chef Renschler

"Wir entwickeln für alle. Für MAN. Für Scania. Und für Navistar."

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"Wir dürfen nicht mehr in Marken denken": Im Gespräch mit manager -magazin.de erläutert VW-Truck-Vorstand Andreas Renschler seine Sicht auf den weltweiten Lkw-Markt und die Bedeutung der Beteiligung am US-Hersteller Navistar für Volkswagen
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"Wir dürfen nicht mehr in Marken denken": Im Gespräch mit manager -magazin.de erläutert VW-Truck-Vorstand Andreas Renschler seine Sicht auf den weltweiten Lkw-Markt und die Bedeutung der Beteiligung am US-Hersteller Navistar für Volkswagen

mm.de: Herr Renschler, Daimler hat gerade Martin Daum zum neuen Truckchef berufen. Sie haben den Job fast neun Jahre gemacht. Hätten Sie ihn gern zurück gehabt?

Andreas Renschler: Nein, warum fragen Sie?

mm.de: Sie wollen mit Volkswagen Truck & Bus "Global Champion" werden. Die Rückkehr zu Daimler wäre vermutlich der schnellste Weg an die Spitze gewesen.

Renschler: Das haben wir dort doch schon in meiner Zeit erreicht. Ich habe Daimler 2014 bewusst verlassen.

mm.de: Bei Daimler hatten Sie ein anderes, viel konkreteres Ziel ausgegeben: "Beat Volvo!" Die Schweden waren damals die Besten der Branche. Reichen da jetzt der Begriff "Global Champion" und ein paar Schlagworte wie Innovation, Mitarbeiterzufriedenheit und Profitabilität? Entfacht man so den Kampfgeist der Organisation?

Renschler: Mit Sicherheit, ja. Global Champion bedeutet, dass wir die Besten und nicht unbedingt die Größten sein wollen; und es bedeutet natürlich auch, dass wir der profitabelste Truckhersteller sein wollen. Das ist gesetzt, das ist sehr anspruchsvoll und noch ein gutes Stück Weg. Bedenken Sie: Wir haben bei Volkswagen erst vor einem Jahr so richtig damit begonnen, im Truckbereich gemeinsam zu arbeiten.

mm.de: Daimler hat dafür 20 Jahre gebraucht.

Renschler: Bei Daimler waren die Truckmarken Mercedes-Benz, Freightliner und Fuso lange komplett getrennt unterwegs. Erst Eckhard Cordes hat als Truckchef 2002 oder 2003 begonnen, wirklich übergreifend zu arbeiten. In meiner Zeit haben wir das mit einer Matrixorganisation weiterentwickelt. Bei uns wird das alles schneller gehen.

mm.de: Ihre Marken Scania und MAN waren sich lange spinnefeind, jetzt kommt der Sanierungsfall Navistar aus den USA dazu. An den Amerikanern sind Sie noch dazu nur beteiligt. Sie können dort nicht durchregieren. Das sind nicht gerade die idealen Bedingungen zum Aufbau eines Champions.

Renschler: Klar, das ist eine Herausforderung. Das beginnt damit, dass wir mit Scania und MAN zwei Marken haben, die beide vor allem in Europa stark sind. Scania hat über viele Jahre einen tollen Job gemacht. Denen ist über die Jahre eingebläut worden, "wir brauchen niemanden!"

mm.de: Sagen die jetzt nicht, "Renschler, was wollen Sie eigentlich? Wir sind doch die Besten!"?

Renschler: Dann sage ich: "Stimmt, heute und nur in Europa!" Allein hat Scania nicht das Potenzial, ein Global Champion zu werden und die Innovationen schnell auf den Markt zu bringen, die wir in Zukunft alle brauchen. Das wissen die Schweden auch. Bei MAN haben wir eine Marke, die zwischendurch ein tiefes Tal durchschreiten musste. Aber selbstbewusst sind die Münchener auch.

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