15.10.2018 
E-Scooter-Verleiher kommen nach Europa

Schnell mal aus dem Stadtstau rollern

Österreich, Wien: Ein Mann steht auf einem Lime-S Elektroroller am Heldenplatz. Mit "Lime" geht in Wien das erste Unternehmen an den Start, das Elektro-Leihtretroller in der Stadt verteilen wird.
Herbert Neubauer/APA/dpa
Österreich, Wien: Ein Mann steht auf einem Lime-S Elektroroller am Heldenplatz. Mit "Lime" geht in Wien das erste Unternehmen an den Start, das Elektro-Leihtretroller in der Stadt verteilen wird.

In den USA sind sie der absolute Renner und in dortigen Großstädten an vielen Straßenecken zu finden: E-Scooter. Die per App freigeschalteten Tretroller mit Elektroantrieb sind der neue Trend, wenn es um die innerstädtische Fortbewegung geht. Sie können auf den Fahrradwegen gefahren werden oder sind am rechten Fahrbahnrand unterwegs. "Ich nutze die Scooter vor allem für kurze Distanzen, um von der Metrostation zum Büro zu fahren", sagt Robert Price aus der US-Hauptstadt Washington. Möglicherweise wuseln die Roller bald auch durch deutsche Innenstädte, in Wien sind sie seit kurzem am Start. Auch in Deutschland könnten sie bald rollen.

Nicht ganz ungefährlich beim Tänzeln durch den Berufsverkehr, bieten die Roller immerhin eine Alternative zu Auto oder Bussen. Sie bleiben nicht im Verkehr hängen und kosten keine Parkgebühren - man stellt sie einfach irgendwo ab. Neben Pendlern nutzen auch Touristen die Scooter. "Das ganze Konzept ist eine coole Idee", sagt John Lawrence, ein Deutsch-Brite aus der Nähe von München, der gerade Washington besucht. Mit bis zu 24 km/h düst er auf dem Roller durch die Straßen.

Die Nutzer müssen eine App des jeweiligen Rolleranbieters auf das Smartphone herunterladen. Verschiedene Verleiher stehen zur Wahl. Abgerechnet wird je nach Fahrtzeit über die Kreditkarte - zehn Minuten kosten 2,50 Dollar (rund 2,20 Euro). Zwei, drei Mal stößt man sich ab. Der Rest funktioniert mit einem Hebel am Lenker. Es gibt auch eine Handbremse und einen Ständer zum Abstellen.

Video: Mit dem Winzroller ins Büro - klappt das gut?

"Heute sind 40 Prozent der Autofahrten weniger als zwei Meilen lang", erläutert Travis VanderZanden, Gründer und Geschäftsführer von Bird, in der "Washington Post". Zwei Meilen sind etwa 3,2 Kilometer. "Unser Ziel ist es, so viele dieser Fahrten wie möglich zu ersetzen, damit wir Autos von der Straße holen und den Verkehr und die Treibhausgasemissionen eindämmen können." Das Datenunternehmen Populus hat von Mai bis Juli 7000 Menschen in US-Großstädten nach ihrer Meinung zu den Scootern befragt. 70 Prozent sehen die elektrischen Roller als Bereicherung für die Städte sowie als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

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Trotz des schnellen Aufstiegs der rund elf Kilo schweren Scooter sind nicht alle glücklich über deren Erfolg. In San Francisco wurden die Motorroller in Bäumen oder gar im Wasser der Bucht gefunden. Im März hatten die Anbieter über Nacht versucht, Hunderte Scooter zu etablieren. Anfang Juni mussten sie alle Roller einsammeln, da die Stadt erst einmal über Regularien für den Verleih zu beraten hatte.

Diesen Ärger kennt man auch von Leihrädern in deutschen Städten. Probleme gibt es nämlich besonders deswegen, weil man die Scooter überall parken kann. "Es ist nervig, wenn sie mitten auf Gehwegen stehen oder Einfahrten blockieren", sagt Zhihao Yun, ein Student aus China. Auch das schnelle Fahren auf Bürgersteigen löst Unruhe aus.

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