12.02.2018  Testfahrt im Porsches Panamera Sport Turismo

Der Kombi, der keiner sein will

Von

Porsche

Porsches Panamera Sport Turismo hat fünf Türen, fühlt sich aber an wie ein Sportwagen.

In den vergangenen 15 Jahren hat Porsche etliche Prinzipien aufgegeben: Mit dem Cayenne wurde erstmals ein SUV eingeführt, gefolgt von der viertürigen Limousine Panamera. 2009 lief der erste Porsche mit Dieselmotor vom Band, das Downsizing auf vier Zylinder nahm 2016 kaum mehr einer wahr.

Nun begeht Porsche ein Sakrileg und bringt einen Fünftürer. Genauer: einen "Shooting Brake", ein Kombi mit abfallender Dachlinie oder, je nach Sichtweise, ein Coupé mit C- und D-Säule plus Heckklappe. In der Porsche-Terminologie heißt das dann "Sport Turismo".

Das neue Modell sieht aus wie ein Panamera - und ist genau das. Der Kofferraum fasst im Normalbetrieb gerade mal 20 Liter mehr als die Limousine, mit umgeklappter Rückbank sind es 50 Liter zusätzlich (1390 statt 1340). Das Plätzchen in der Mitte der Rückbank taugt allenfalls als Not- oder Kindersitz, bei Porsche nennen sie das "2+1". Ein echter Familienkombi bietet deutlich mehr Raum.

Immerhin: Die große Klappe und die um sechs Zentimeter niedrigere Ladekante sind praktisch. Und: Der Kombi, der nicht so genannt werden will, macht keine Abstriche beim Fahrspaß. Er beschleunigt wie die Limousine und fährt in der Spitze fast genauso schnell. Selbst das Dieselaggregat katapultiert den gut 5 Meter langen Wagen in nur 4,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Die neu konzipierte Luftfederung bügelt auch auf schlechten Straßen alle Hindernisse aus. Dank der Hinterachslenkung lässt der Panamera sich so präzise und stabil um die Kurven zirkeln wie ein Sportwagen. Wobei die Abrollgeräusche der breiten Reifen durchaus vernehmbar sind.

Porsche Panamera Sport Turismo
Technik
422 PS (4S Diesel Sport Turismo)
310 kW
176-178 g/km CO2-Emission
Dynamik
4,5 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
282 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 123.975 Euro

Zudem haben sie bei Porsche für ihren Kombi einen speziellen Heckspoiler entwickelt. Die Dachlinie mündet in einem beweglichen Teil, das je nach Position zwei Dinge zugleich kann: bis zu 170 Stundenkilometern senkt es Luftwiderstand und Verbrauch, darüber sorgt es für Abtrieb und hält das Geschoss auf Kurs.

Neu gestaltet und aufgeräumt wurde das Cockpit. Neben dem analogen Drehzahlmesser in der Mitte lassen sich verschiedene Anzeigen ins Zentralinstrument projizieren, sodass der Fahrer immer den nötigen Überblick behält. Leider gibt es kein Head-up-Display, nicht mal gegen Aufpreis.

Der Preis sollte bei der Anschaffung des Sport Turismo ohnehin besser keine Rolle spielen. Das Topmodell mit 550 PS kostet in realistischer Ausstattung rund 170.000 Euro. Verdammt viel für einen Kombi, der eigentlich gar keiner ist.

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