10.07.2018  Testfahrt im Mercedes CLS

Der Hai unter den Coupés

Von

8. Teil: Range Rover Velar: Elegant durch den Matsch

Nick Dimbleby

Der Range Rover Velar fällt auf mit veganem Inneren und lockt mit Abenteuern im Gelände.

Nur wenige Automarken wagen heute noch den Start einer komplett neuen Baureihe. Bei Range Rover war das jedoch überfällig: Zwischen dem kompakten Evoque und dem großen Range Rover Sport fehlte noch ein Modell, das gegen Audis Q5 oder Porsches Macan antreten kann. Das gibt es nun mit dem Velar, benannt nach dem Tarnnamen des ersten Prototyps, mit dem die Muttermarke Land Rover Ende der 60er Jahre das Konzept der SUVs quasi erfand.

Äußerlich ist der Velar ein typischer Range, schnörkellos designt, ein wenig markanter als seine Brüder: die Scheinwerfer schmaler, die Kanten schärfer, die ansteigende Gürtellinie tiefer. Innen ist er geradezu extravagant, eine Inszenierung: Das Automatikgetriebe wird über einen Drehknopf gesteuert, ansonsten wurden Tasten, Schalter und Regler weitgehend verbannt. Bedienen lässt sich der Velar über zwei große Touchscreens auf und über der Mittelkonsole. Oben für Navi, Hi-Fi und Telefon, unten für Differenzialsperren, Geländeeinstellungen oder Fahrwerkserhöhung. Die hochauflösenden Bildschirme liefern gestochen scharfe Bilder.

Das hilft sogar im Gelände. Da erfüllt der Velar nicht nur physisch alle von ihm verlangten Offroadqualitäten, wühlt sich souverän durch knietiefen Schlamm, bewältigt mit Luftfederung atemberaubende Schräglagen bis 23,5 Grad, kraxelt steilste Skipisten hoch und watet nach einer quälerisch langen Bergabtour mit dampfenden Bremsscheiben tapfer durch einen 65 Zentimeter tiefen, reißenden Gebirgsbach. Das Abenteuer lässt sich über eine spezielle Offroadanzeige im Head-up-Display auch noch genau verfolgen, sie zeigt dem Fahrer die Stellung der Räder und Neigung des Fahrzeugs in jede Richtung an.

Range Rover Velar
Technik
180 PS
D180, Zweiliterdiesel 132 kW
142 g/km CO2-Emission
Dynamik
8,9 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
209 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 56.400 Euro

Außergewöhnlich auch der Materialmix im Innenraum. Range Rover verzichtet auf Tierhäute und hat mit seinem dänischen Zulieferer Kvadrat einen hochwertigen veganen Wildlederersatz aus Kunststoffrezyklat entwickelt. Das dürfte in Hipsterhochburgen wie Berlin-Mitte, Notting Hill oder Palo Alto ein echtes Verkaufsargument sein.

So raffiniert Bedienkonzept und Polster, so altbacken ist der Antrieb. Den Velar gibt es als Benziner oder Diesel, Vier- oder Sechszylinder, aber nicht als Hybrid oder Elektro. Und die Assistenzsysteme sind zwar auf der Höhe der Zeit (Spurhalter, Abstandstempomat), teilautonome Gimmicks fehlen indes. Dazu passt auch der klobige Zündschlüssel: Der wirkt fast wie das Relikt aus einer anderen Zeit.

8 / 8

Mehr zum Thema