10.07.2018  Testfahrt im Mercedes CLS

Der Hai unter den Coupés

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6. Teil: Audi A8: Flaggschiff auf Silicon-Valley-Niveau

Audi A8
Audi
Audi A8

Audis neues Flaggschiff fährt rein äußerlich im Kielwasser seines Vorgängers: eine große Erscheinung, mit kühlem Ingenieursstrich gezeichnet. Die Seitenlinie zieht sich ein wenig länger als beim Vorgängermodell, der Kühlergrill ist größer, das Heck ein bisschen angeschrägt. Das hat durchaus Vorstandsniveau, auf den ersten Blick vor allem für Traditionsbranchen - bis man die Tür öffnet. Im Inneren kann man auf zwei Touchscreens Zukunft spielen.

Als erste Businesslimousine fährt die neue Generation des A8 hochautomatisiert. Auf Autobahnen lenkt, beschleunigt und bremst das Chefgefährt bis Tempo 60 allein. Im Stau kann ich also E-Mails beantworten, Akten studieren oder skypen, ohne die Hände am Lenkrad zu halten - zumindest solange ich nicht die Spur wechseln muss. Das traut sich das Auto noch nicht allein.

Die Frontkamera misst die Fahrbahn ab und erkennt Schlaglöcher und Bodenwellen. Bis Tempo 80 gleicht das neue, elektrisch gesteuerte Fahrwerk die Unebenheiten aus, noch bevor sie da sind - ein Fahrkomfort wie auf einem fliegenden Teppich.

Vor einem Seitencrash hebt die Elektronik die betroffene Seite blitzschnell um acht Zentimeter an. So trifft der Aufprall nicht die weiche Türflanke, sondern den robusteren Schweller. Die Passagiere werden maximal geschützt. Der Wagen parkt in schmalste Lücken ein und aus, ferngesteuert über eine App auf dem Handy. Ich kann das alles von draußen erledigen und muss mich nicht in der engen Parklücke aus der Tür zwängen. Beim Rangieren assistieren Lenk- und Bremsassistenten, verhindern Kratzer und Beulen - zur Not per Schockbremsung. Die Vierradlenkung (die Hinterräder schlagen bis zu fünf Grad ein) hilft da enorm.

Audi A8
Technik
340 PS (A8 55 TFSI quattro)
250 kW
178 - 171 g/km CO2-Emission
Dynamik
5,6 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
250 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 93.500 Euro

Das alles macht Eindruck - bisher allerdings nur auf dem abgesperrten Parcours, auf dem ich die teuren Extras erproben darf. Im Straßenverkehr lassen sich die Systeme noch nicht scharf stellen. Audi rechnet mit einer behördlichen Genehmigung für seinen Baby-Driver im Lauf des Jahres 2018.

Die Fahrt ohne Assistenzsysteme auf der Landstraße verläuft eher unspektakulär. Der Sechszylinder liefert als "Mildhybrid" ordentlich Power, wobei der Benziner geschmeidiger läuft als der Turbodiesel. Das Bediensystem, früher ein kleines Knöpfchen- und Schalterlabyrinth, wurde auf zwei große Touchscreens verteilt. Die wollen bedient werden. Höchste Zeit, dass man die Hände vom Steuer nehmen darf.

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