15.07.2017  Die neue Generation von Sprachsteuerung

Wenn Alexa & Gang im Auto mitfahren

Von Thomas Geiger, dpa

Der Dialog zwischen Mensch und Maschine kommt so langsam in Fahrt. Nachdem sich viele Anwender lange gesträubt haben, mit technischen Geräten zu sprechen wie mit alten Bekannten, haben virtuelle Assistenten wie Siri den Weg für Sprachkommandos bereitet. Mittlerweile funktioniert das mit Alexa von Amazon und Home von Google auch im Haushalt oder im Büro. (Hinweis d. Red.: Sie können sich aktuelle Nachrichten von manager magazin Online mit Alexa auf Amazons Lautsprecher Echo anhören.)

Als nächstes ist das Auto dran. "Denn die Sprachsteuerung ist eines der Konzepte, mit dem wir auch komplexe Systeme im Fahrzeug einfach und unkompliziert bedienen können", sagt Ergonomie-Experte Guido Meier-Arendt vom Zulieferer Continental .

Zwar kann es für ihn nie nur eine alleinige Lösung geben, weshalb er auf absehbare Zeit auch ein paar Tasten noch die Treue hält. "Doch mit deutlich verbesserter Technik und einem von den Smartphones veränderten Verhaltensmuster bei den Nutzern wird das gesprochene Wort im Fahrzeug in Zukunft deutlich mehr Gewicht bekommen."

Dabei arbeiten die Fahrzeughersteller und ihre Zulieferer zweigleisig: Zum einen wollen sie ihre eigenen Sprachbediensysteme verständlicher gestalten, das Vokabular vergrößern und ohne auswendig gelernte Befehle auskommen. So reicht bei Ford Sync mittlerweile die Aussage "Ich habe Hunger", um vom Navigationssystem die nächsten Restaurants entlang der Route gezeigt zu bekommen.

"Das Zauberwort dafür heißt natürlichsprachliche Eingabe", erläutert Arnd Weil, der beim IT-Konzern Nuance das Automobilgeschäft leitet. "Als die Sprachsteuerung vor 20 Jahren kam, konnte sie vielleicht 20 Vokabeln", sagt Weil. Zehn Jahre später waren es 70.000 und heute seien es mehrere Millionen. "Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Deutsche mit einem aktiven Wortschatz von 4000 Vokabeln durch den Tag kommt, kann man da wohl von schon von flüssiger Sprache reden." Deshalb muss sich bei solchen Systemen niemand mehr durch Kommandozeilen und Befehlsketten hangeln, sondern spricht einen vergleichsweise normalen Monolog und das Auto pickt sich die entsprechenden Schlüsselworte heraus. "Nicht der Mensch, sondern die Technik muss Vokabeln lernen, wenn das System erfolgreich sein soll", sagt Weil.

Parallel dazu integrieren die ersten Autohersteller allerdings auch externe Sprachsteuerungen: So haben zuletzt Audi und Volvo am Rande der Google-Entwicklerkonferenz I/O angekündigt, dass sie in kommenden Fahrzeugen das Betriebssystem Android Auto und mit ihm die Sprachsteuerung des Google Assistenten einbauen wollen. Dann kann man nicht nur Anrufe mit Sprachsteuerung tätigen, Navigationsziele eingeben oder Nachrichten diktieren, sondern Fenster öffnen oder das Klima auf Kommando regeln, lassen die Entwickler durchblicken.

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