17.05.2017  Daimler-Designchef über Oldtimer-Rallye Mille Miglia

"Einzigartig und extrem emotional"

Von
Daimler AG

90 Jahre ist es her, da gingen die ersten Rennfahrer der Mille Miglia an den Start. Inzwischen ist das Straßenrennen durch den Norden Italiens eine der begehrtesten Oldtimerrallyes der Welt. Die zahlungskräftigen Teilnehmer stammen aus aller Herren Länder, für einen gewissen Glamour sorgen Rennfahrer, Spitzensportler und durchaus auch mal Hollywoodstars - darüber hinaus sitzen Manager und Vorstände großer und kleiner Unternehmen am Steuer der ausgesucht schönen Wagen. Auch Daimler-Designchef Gorden Wagener fährt ab diesem Donnerstag in einem Mercedes-Benz 300 SL Coupé 198 aus dem Jahr 1955 mit - manager magazin.de sprach im Vorfeld mit ihm über das Rennen.

Gorden Wagener, Leiter Design bei Daimler. ist schon häufiger bei der Mille Miglia mitgefahren
Daimler
Gorden Wagener, Leiter Design bei Daimler. ist schon häufiger bei der Mille Miglia mitgefahren

manager-magazin.de: Herr Wagener, Sie fahren zum wiederholten Male bei dem Oldtimerrennen Mille Miglia mit. Was macht den Reiz dieser Rallye aus?

Gorden Wagener: Es ist wie bei unserem Design: es ist die ausgewogene Kombination aus Emotion und Intelligenz. Die Mille ist einzigartig, extrem emotional und zudem fordert sie von allen viel ab, von den Autos wie auch den Fahrern. Der Reiz dieses Rennens liegt vor allem in der Landschaft, der Strecke, den begeisterten Menschen sowie den faszinierenden Autos. Und dabei muss man bedenken, es ist alles andere als eine reine Spaßfahrt, es ist ein echter Wettbewerb der Marken!

mm.de: Was war ihr bestes Erlebnis bei den vergangenen Rallyes?

Wagener: Das Beste sind immer die jubelnden Menschen am Straßenrand und ihre fühlbare Begeisterung - die reine Freude am Erlebnis Auto. Das ist für alle Beteiligten sehr emotional. Wenn die Rennautos durch die engen Straßen der toskanischen Städte knattern und rings um das Rennen Feststimmung herrscht, habe ich jedes Mal Gänsehaut.

mm.de: Und was war das Schwierigste?

Wagener: Das Schwierige bei der Ralley ist, trotz der Hitze im Auto und langer anspruchsvoller Etappen, die volle Aufmerksamkeit für Auto und Straße zu behalten.

mm.de: Sie fahren selbstredend einen Oldtimer. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie einen so alten Wagen fahren?

Wagener: Als erstes ist es tolle Inspiration für unsere Arbeit, und dann, dass ich großes Glück habe, bei der Marke zu arbeiten, die das schönste aller Teilnehmer-Fahrzeuge gebaut hat: den 300 SL Flügeltürer. Und natürlich, dass ich am Steuer dieser Ikone sitzen und als Botschafter für unsere Marke dabei sein darf. Das Erlebnis, mit diesem Auto durch die Toskana zu fahren ist einmalig und großartig, aber zugleich harte Arbeit. Der 300 SL ist ein reinrassiges Rennauto, welches ohne Servolenkung und dafür mit viel Muskelkraft bewegt wird.

mm.de: Das Design der Wagen früher und heute unterscheidet sich wie Tag und Nacht. Was wird sich Ihrer Meinung jedoch nie verändern - auch in Bezug auf Elektroautos, für die ja schon an völlig neuen Konzepten gearbeitet wird?

Wagener: Schönheit ist zeitlos. Es ist heute wie gestern eine Herausforderung, die richtige Ästhetik zu treffen, eine Kombination aus Emotion und Intelligenz. Schönheit ist essentiell. Mein Design-Team und ich haben neben der Technologie immer auch das Erlebnis für den Kunden im Blick. Inzwischen sind wir längst in der Ausgestaltung des Designs der kommenden Elektrofahrzeuge. Wir leben Jahre vor der Zeit und glauben Sie mir: die Zukunft wird noch weitaus faszinierendere Autos erleben.

mm.de: Inwieweit beeinflusst die Formensprache der Oldtimer auch noch das Design von heute oder der Zukunft?

Wagener: Nehmen Sie den Vision Mercedes-Maybach 6, den wir letztes Jahr in Pebble Beach präsentiert haben. Ein sechs Meter langes Coupé, das die voluminösen und zugleich extrem eleganten Formen eines Maybach aus dem Art Deco zitiert und in die Gegenwart transportiert, ohne einfach nur retro zu sein. Früher verfügten die Autos über wesentlich mehr Volumina in den Formen. Dies umzusetzen war damals auch einfacher als heute, da die fahrzeugtechnischen Anforderungen insgesamt viel geringer waren. Wir haben einen Weg gefunden, kommenden Modellen wieder mehr Körper geben: Die Zeit der Sicken [rinnenförmige Vertiefungen in der Karosserie, Anm. d. Red] ist definitiv vorbei.

mm.de: Einhergehend mit einem Mobilitätswandel gilt für die heutige Jugend und für junge Erwachsene das Auto nicht mehr per se als Statussymbol - welche Antwort kann das Autodesign darauf finden?

Wagener: Mein Credo ist immer: Design muss 'hot' und 'cool' zugleich sein.

mm.de: Was ist für Sie 'hot' und 'cool'?

Wagener: Das Design muss meine Emotionen ansprechen, begehrenswert sein, ich muss mich in Formen und Kurven verlieben, das ist "hot". "Cool" ist ein Design, wenn es Technik so verkörpert, dass sie mich neugierig macht, mich fasziniert und begeistert, dass ich sie haben will. Dann ist es fast egal, ob Sie ein Auto kaufen, leasen, teilen oder leihen - Sie müssen es einfach haben.

mm.de: Ihre Arbeit ist dem Autodesign gewidmet. Was ist ihr persönliches emotionalstes Autoerlebnis?

Wagener: Jedes Mal, wenn ich ein neues Auto, das wir im Team gestaltet haben, zum ersten Mal fahre, habe ich das gleiche unbeschreibliche Gefühl. Eine Mischung aus Stolz und Dankbarkeit. Wie viele Menschen können schon sagen, dass sie ein Stück Zukunft mitgestaltet haben? Wir arbeiten jeden Tag für alle Marken von Daimler daran und können das Ergebnis unserer Arbeit direkt erleben.

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