14.03.2017  Bill Ford erteilt fliegenden Autos Absage

"Die Leute können ja nicht mal zweidimensional fahren"

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Bill Ford spricht auf dem Festival SXSW über "Smart Mobility"
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Bill Ford spricht auf dem Festival SXSW über "Smart Mobility"

Ein Konzernlenker, der auf dem Festival SXSW auftritt, sollte schillernde Zukunftsvisionen mitbringen. Die mehrtägige Veranstaltung in der texanischen Tech-Metropole Austin, mit vollem Namen "South by Southwest", versammelt avantgardistische Ideen - als Beiwerk zu Musik und Film. Die aufregende neue Welt der Mobilität ist gerade schwer angesagt.

Doch Bill Ford hat den Tech-Jüngern eine andere Botschaft mitgebracht: Alles schon einmal dagewesen. Der Aufsichtsratschef von Ford (und Urenkel des Firmengründers) reagierte auf die neue Welle von Übernahmen, Patentstreits und Talentjagden: "Die Dodge-Brüder verklagten Henry Ford, es gab eine Menge Revierkämpfe, wem was gehörte und wer Zugang wozu hatte", zitiert ihn die Zeitung "USA Today". "Dasselbe passiert jetzt auch. Es gibt viele schlaue Leute und viele scharfe Ellbögen."

Als Vertreter des etablierten Konzerns, der die Fließbandproduktion einführte und groß in autonomes Fahren investiert, kann Ford sich wohl einen altklugen Tonfall leisten - und sich als Car Guy alter Schule zur Benzinröhre Ford GT als aktuellem Lieblingsspielzeug bekennen.

Enttäuscht dürfte aber mancher SXSW-Besucher auf Fords Skepsis zur Lieblingsvision von Tech-Gurus wie Peter Thiel reagieren: Fliegende Autos? "Die Leute haben ja schon genug Schwierigkeiten, zweidimensional zu fahren. Von dreidimensional ganz zu schweigen."

Der Dämpfer kommt gerade in dem Moment, da die langgehegte Idee vor dem kommerziellen Durchbruch zu stehen scheint. Mehrere Pionierfirmen sammeln bereits Vorbestellungen für fliegende Autos ein, Airbus bringt seine Konzepte ins Spiel, und Uber scheint ebenfalls der Enge am Boden entfliehen zu wollen.

Ganz rundheraus mag Bill Ford der Idee auch nicht abschwören. Aber Vorrang hat erst einmal ein anderer Hype, der bereits das Geschäftsmodell des Konzerns auf den Kopf stelle - mit autonomem Fahren werde Fords Datenschatz zum Kern des Geschäfts. Der bloße Verkauf von Fahrzeugen drohe langfristig zur Nebensache zu werden - mit dem positiven Nebeneffekt, dass der Autokonzern weniger Kapital brauche, höhere Margen verdiene und unabhängiger von der Konjunktur werde. Wenn schon fliegende Autos, so der Patriarch, "dann sollten sie besser autonom sein".

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