22.02.2017  "Sailing Yacht A" - Werft und Eigner einigen sich

Weltgrößte Segelyacht darf Gibraltar nach Arrest verlassen

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Die weltgrößte Segelyacht "A" des russischen Milliardärs Melnichenko war tagelang vor Gibraltar festgesetzt. Die deutsche Werft Nobiskrug verlangte die Begleichung offener Rechnungen - und hat sich nun mit dem Eigner geeinigt. Nun darf die "A" weiterfahren.

Der Poker um die größte private Segeljacht der Welt ist beendet. Die Anwälte der Werft Nobiskrug und des Auftraggebers, dem russischen Milliardär Andrey Melnichenko, haben sich geeinigt. Bei dem Streit ging es um Kosten in einem Schiedsverfahren - laut NDR in von etwa 15 Millionen Euro, die als Sicherheit hinterlegt werden sollten. Ein Sprecher der Werft erklärte gegenüber manager magazin Online: "Nobiskrug zeigt sich mit dem Richterspruch hoch zufrieden. Das Gericht hat unserer Argumentation und Sicherungsinteresse in vollem Umfang Rechnung getragen." Nun darf die "A" den Hafen von Gibraltar wieder verlassen.

Nachdem das Schiff vor gut zwei Wochen die Kieler Werft verlassen und Spanien angesteuert hatte, hatte die Werft einen Arrest des Schiffs bewirkt, als die Yacht im Hafen von Gibraltar Station machte. Gegenüber manager magazin Online bestätigte die Hafenbehörde von Gibraltar Presseberichte, dass das Schiff am 15. Februar unter Arrest genommen worden sei.

Neben der Zahlung der ausstehenden Millionenbeträge soll dem NDR zufolge auch der Ort umstritten gewesen sein, wo das Geld deponiert werden sollte. So soll der Eigner bereits vor Wochen 9,8 Millionen Euro auf einem Treuhand-Konto seiner Anwälte in London hinterlegt haben, was der Höhe der letzten Restzahlung für die Yacht entsprechen soll. Damit seien die Anwälte der Rendsburger Werft nicht einverstanden gewesen, hieß es. Offenbar befürchtete die Werft, dass der Auftraggeber einen leichten Zugriff auf das Konto habe.

Der Kompromiss soll nun vorsehen, dass weitere 5,5 Millionen Euro als Sicherheit in Gibraltar deponiert werden, und dort von den Anwälten der Werft kontrolliert werden sollen. Dem Bericht zufolge ist das Geld für Subunternehmer der Werft bestimmt.

"Der bedauerliche Vorfall ist jetzt gelöst," kommentierte ein Sprecher von Melnichenko gegenüber manager magazin Online. " Wir freuen uns sehr, dass das Gericht unsere Argumente gehört und entschieden hat."

Die "Sailing Yacht A" wurde von der Kieler Werft German Naval Yards gebaut, zu der Nobiskrug gehört. Vor zwei Wochen hatte die Yacht Kiel verlassen und sich auf den Weg nach Spanien begeben, wo die weitere Innenausstattung und Probefahrten von Navantia Shipyard in Cartagena vorgenommen werden bevor das Schiff dann im Frühjahr offiziell an den Besitzer übergeben werden soll.

Die keilförmige Yacht wurde von Designer Philippe Starck entworfen. Der Franzose hatte für den russischen Milliardär Melnichenko bereits vor Jahren die 119 Meter lange Motoryacht "A" ersonnen. Sie entstand ebenfalls in Kiel und liegt derzeit im Hafen von Abu Dhabi. Laut früheren Medienberichten steht die Motoryacht zum Verkauf, bisher fährt sie aber wie die Segelyacht "A" ebenfalls unter der Flagge Bermudas und scheint den Besitzer nicht gewechselt zu haben.

Die neue "Sailing Yacht A" ist deutlich voluminöser. Sie ist nicht nur knapp 143 Meter lang, sondern auch fast 25 Meter breit. Die "Sailing Yacht A" gilt mit ihren mehr als 3700 Quadratmetern Segelfläche als Schiff der Superlative. Das entspricht etwa der Hälfte eines Fußballplatzes.

Offizielle Angaben über den Preis gibt es nicht. Spekuliert wird über einen Kaufpreis von rund 400 Millionen Euro. Die Yacht verfügt beispielsweise über eine Panorama-Lounge unterhalb der Wasserlinie und neben Beibooten auch über ein eigenes U-Boot. In der Branche gilt es als üblich, dass Werften den Bau von bestellten Schiffen teils vorfinanzieren.

kna/dpa