30.01.2018  Ex-Ford-Mann führt Autolobby

Automanager löst Politikprofi Wissmann an VDA-Spitze ab

Bernhard Mattes, langjähriger Ford Deutschland-Chef, wird neuer VDA-Präsident und damit oberster Autolobbyist
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Bernhard Mattes, langjähriger Ford Deutschland-Chef, wird neuer VDA-Präsident und damit oberster Autolobbyist

Der langjährige Ford -Deutschlandchef Bernhard Mattes wird am 1. März Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Das habe der Vorstand einstimmig beschlossen, teilte der Verband mit. Der 61-Jährige löst damit Matthias Wissmann ab, der seit 2007 oberster Interessenvertreter der deutschen Autobranche ist. Der 68-Jährige Wissmann verlasse den VDA zum Ende seines Vertrages im Frühjahr, sagte ein Sprecher.

Mattes hatte über 14 Jahre bis 2006 die Ford-Werke in Köln geleitet. Vor einem Jahr wechselte er von der Geschäftsführungs-Spitze in den Aufsichtsrat, seit Monaten galt Mattes als wahrscheinlicher Wissmann-Nachfolger. Ab März steht Mattes dann als Deutschlands oberster Autolobbyist im Rampenlicht - eine Aufgabe, für die er Kontaktfreude wie auch ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit mitbringen muss.

Denn Mattes übernimmt den Verband in einer Zeit, da die Autohersteller wegen umstrittener Abgastests an Affen und Menschen in der Kritik stehen. Der Skandal droht das ohnehin wegen Dieselschummeleien und Kartellvorwürfen ramponierte Image der Industrie weiter zu beschädigen.

Der Druck dürfte noch zunehmen, wenn das Bundesverwaltungsgericht Ende Februar ein Urteil über Fahrverbote spricht. Diese drohen in mehreren Großstädten, in denen die Stickoxid-Grenzwerte oft überschritten werden. Die EU hat deswegen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Gute Verbindungen in die USA

Um diese Wogen zu kitten, wird Mattes sowohl Fachkenntnis als auch diplomatisches Geschick benötigen. Der 61-jährige hat Jahrzehnte in der Automobilindustrie gearbeitet und kennt die Branche deshalb bestens. Seit 2013 ist er zudem Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland und warnt als solcher vor Handelsschranken.

Die guten Drähte in die USA kann er im neuen Amt wohl gut gebrauchen, denn in den Vereinigten Staaten nahm der Skandal um manipulierte Abgaswerte seinen Ausgang; dort wurden für VW Strafen und Entschädigungen in Milliardenhöhe fällig. Seither steht die Branche immer wieder öffentlich unter Beschuss.

Mattes ist politisch nicht so tief vernetzt wie sein Vorgänger Wissmann, der auch mal Bundesverkehrsminister war. Die Autoindustrie war schon immer das Metier des Diplom-Ökonomen, dessen Vater bei VW eine leitende Funktion bekleidet hatte. Nach dem Studium heuerte der gebürtige Wolfsburger bei BMW an, dann ging er Ende der 1990er Jahre zur Konkurrenz nach Köln. Als Deutschlandchef baute Mattes das Unternehmen um und machte es effizienter - mit zum Teil schmerzhaften Anpassungen.

Wissmann geht früher als sein Vertrag vorsah

"Wir wollen nicht um jeden Preis, aber profitabel wachsen", umschreibt der Automanager sein Motto. Mattes blieb dabei geerdet: Mitarbeiter beschreiben ihn als "basisnah" und "ohne Starallüren". Als VDA-Präsident will Mattes nun - wenig überraschend - die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autobranche "sichern und ausbauen".

Ähnliches war auch von seinem Vorgänger Wissmann zu hören, der den VDA noch bis Ende Februar leitet - und damit etwas kürzer als angenommen. Denn der frühere CDU-Verkehrsminister Wissmann stand seit 2007 an der Spitze des Verbandes. Sein Vertrag war erst im November 2016 um zwei Jahre verlängert worden.

In seiner Funktion als VDA-Vize dankte Daimler-Chef Dieter Zetsche dem früheren Bundesverkehrsminister Wissmann. Zetsche hob hervor, dass Wissmann die Interessen der Industrie glaubwürdig vertreten und ihr eine starke Stimme verliehen habe.

Doch Insidern zufolge soll es zuletzt mehrfach zu Unstimmigkeiten zwischen den Autobauern und dem Branchenverband gekommen sein. So hatte der VDA beim ersten Dieselgipfel im vergangenen Jahr noch während der laufenden Verhandlungen zum Unmut einiger Unternehmen eine Pressemitteilung veröffentlicht. Wissmann wurde zudem ein ungeschicktes Agieren nach den Kartellvorwürfen gegen die deutschen Autobauer angelastet.

wed/dpa-afx/Reuters

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