16.02.2018  Konservativer Milliardär hadert mit Facebook und Co.

Peter Thiel zieht weg - "Das Silicon Valley ist ein Ein-Parteien-Staat"

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Peter Thiel in seinem Büro in San Francisco: Der umstrittene Milliardär will das Silicon Valley verlassen. Offenbar auch, weil sich der konservative Kopf da politisch nicht mehr wohlfühlt.
John Green/ TNS/ ZUMA/ DPA
Peter Thiel in seinem Büro in San Francisco: Der umstrittene Milliardär will das Silicon Valley verlassen. Offenbar auch, weil sich der konservative Kopf da politisch nicht mehr wohlfühlt.

Der streitbare Paypal-Gründer und Facebook-Investor Peter Thiel verlässt das Silicon Valley. Samt seiner Investmentfirmen zieht er von San Francisco nach Los Angeles, heißt es. Offenbar fühlt sich der konservative Milliardär in der liberalen Umgebung nicht mehr wohl - und auch an der Branche selbst scheint er zu zweifeln.

Der streitbare Milliardär und Technologie-Investor Peter Thiel mag nicht mehr - nicht mehr das Silicon Valley, nicht mehr dessen linksliberalen Geist, ja womöglich nicht mal mehr die Technologiebranche selbst. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" (bezahlpflichtig) zieht sich der deutschstämmige Paypal-Gründer, dessen Technologiebeteiligungen ihn zum Milliardär machten, zurück - aus San Francisco, ja offenbar auch aus vielen Tech-Unternehmen selbst.

Die namhafte Zeitung berichtet unter Berufung auf Insider, dass Thiel seinen Wohnsitz von San Francisco nach Los Angeles verlagern wird, und dass seine Investmentfirmen gleich mit umziehen. Aus seinem Umfeld hieß es, er werde seine Beteiligungen an Technologiefirmen verringern.

Zwischenzeitlich habe Thiel sogar erwogen, sich aus dem Board von Facebook zurückzuziehen. Dort hätten ihn andere Board-Mitglieder - unter anderem Netflix-Chef Reed Hastings - wegen seiner umstrittenen Unterstützung von Donald Trump im US-Wahlkampf heftig kritisiert.

Peter Thiel machte aus seiner Sympathie für US-Präsident Donald Trump nie einen Hehl - sehr zum Missfallen der Community im Silicon Valley.
AFP
Peter Thiel machte aus seiner Sympathie für US-Präsident Donald Trump nie einen Hehl - sehr zum Missfallen der Community im Silicon Valley.

Thiel scheint sich als konservativer Kopf in dem eher liberal und demokratisch geprägten Silicon Valley nicht mehr wohl zu fühlen. Seit der Wahl von Donald Trump habe er eine zunehmende Kultur der Intoleranz gegenüber konservativen politischen Ansichten beklagt, eine Haltung, die er als intellektuell und politisch angespannt bezeichnete.

"Das Silicon Valley ist ein Ein-Parteien-Staat"

"Das Silicon Valley ist ein Ein-Parteien-Staat. Da bekommt man Probleme, wenn man politisch auf einer Seite steht", habe Thiel kürzlich in einem Vortrag an der Stanford Universität erklärt und damit seinem Unmut darüber freien Lauf gelassen.

Jenseits der auch finanziellen Unterstützung für Donald Trump eckte Thiel in der Vergangenheit mit einzelnen Aktionen immer wieder an. So rächte er sich am US-Portal "Gawker", indem er den bekannten Ex-Wrestler Hulk Hogan mit zehn Millionen Dollar in einem Prozess gegen das Portal unterstützte und das Portalso in den Ruin trieb. Gawker hatte Thiel im Jahr 2007 als homosexuell geoutet - er selbst hatte seine sexuelle Orientierung damals noch nicht öffentlich gemacht.

Auch die Tatsache, dass Thiel das geheimnisumwobene, auf Datenanalyse spezialisierte US-Unternehmen Palantir mitfinanziert, das unter anderem für Geheimdienste arbeiten soll, dürfte dem Investor nicht gerade viel Sympathie eingebracht haben, heißt es.

Jetzt, so scheint es, hat Thiel erst einmal genug vom Silicon Valley, strickt aber bereits am nächsten Projekt. So soll der Milliardär mit dem Gedanken spielen, neue konservative Medien aufzubauen - zum Beispiel einen Fersehsehsender.

An dem Projekt könnte sich einem Bericht von "Buzzfeed" zufolge auch die einflussreiche Mercer-Familie beteiligen. Sie hatte bereits das rechtskonservative Portal "Breitbart News" unterstützt, dessen Herausgeber, Donald Trumps ehemaligen Chefstrategen und Wahlkampfleiter, Steve Bannon, aber zuletzt gefeuert.

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