16.02.2018  Gerichtsstreit der Oligarchen

Reiche Russen zoffen sich in London um Rohstoffe für E-Mobile

Von

Oleg Deripaska hat derzeit schon etwas mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als einem der reichsten Russen lieb sein kann. Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny breitet mit unfreiwilliger Hilfe des auf Instagram aktiven Escort Girls "Nastya Rybka" aus, wie der Oligarch von einer Jacht vor der norwegischen Küste aus Geheimgespräche um die russisch-amerikanischen Beziehungen führt. Im US-Politskandal zum selben Thema spielt der Name Deripaska ebenfalls eine Rolle.

Deripaska scheut sich trotz dieser Schlagzeilen dennoch nicht, vor ein Londoner Gericht zu ziehen. Wie "Bloomberg" berichtet, sollte dort an diesem Freitag eine Klage des Aluminiummagnaten gegen andere russische Milliardäre verhandelt werden.

Seine Gegner heißen Roman Abramowitsch und Wladimir Potanin. Zumindest Abramowitsch, der in London zu Hause ist und die dortige Fußballmarke Chelsea besitzt, hat bereits Erfahrung darin, Fehden mit anderen Superreichen aus der Heimat wie dem inzwischen verstorbenen Boris Beresowski vor britischen Richtern auszutragen.

Der aktuelle Streit ist die Neuauflage einer 2012 unter Mithilfe des russischen Präsidenten Wladimir Putin beigelegten Auseinandersetzung. Sie dreht sich um Norilsk Nickel, den weltgrößten Produzenten von Nickel. Aktuell ist die Hütte im sibirischen Polargebiet hoch gefragt in der deutschen Industrie. Das Metall wird ebenso wie das als Nebenprodukt gewonnene Kobalt in Legierungen für die zur Elektromobilität benötigten Lithium-Ionen-Akkus gebraucht, die Preise steigen rasant - und der Aktienkurs von Norilsk auch.

Deripaska, dessen Aluminiumkonzern Rusal 27,8 Prozent der Norilsk-Nickel-Aktien hält, will verhindern, dass Abramowitschs Holding Crispian ihre 4,2 Prozent verkauft. Denn als Kaufinteressent tritt Wladimir Potanin über seine Holding Interros auf. Die besitzt bereits 30,4 Prozent der Anteile. Potanin tritt seit der Privatisierung in den 90er Jahren als der starke Mann der Nickelfirma auf, aktuell amtiert er als Präsident und Vorstandschef. Den aktuellen E-Mobility-Hype nutzte er schon, um sich auf Augenhöhe mit westlichen Autokonzernen zu präsentieren.

Wenn Potanin seinen Anteil erhöht, könnte er die alleinige Kontrolle ausüben. Abramowitsch wurde in dem Stillhalteabkommen von 2012 als Schlichter eingesetzt, um die Interessen der Großaktionäre auszutarieren. Doch diese Vereinbarung lief nach fünf Jahren aus. Ob Putin noch einmal eingreifen will, um die Oligarchen zu versöhnen, ist nicht bekannt.

Mehr zum Thema