23.04.2018  Cerberus-Bankenmanager Matt Zames

Er wollte "eigene Eisenbahn" - und bekommt deutsche Banken

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Bloomberg via Getty Images

Christian Sewing hat den Job bekommen, den Matt Zames nicht wollte: als Chef der Deutschen Bank - und wird es jetzt doch mit Zames zu tun bekommen. Denn der 47-jährige Amerikaner, gerade zum "President" des Hedgefonds Cerberus berufen, soll dessen Beteiligungen in der Finanzindustrie überwachen - die haben sich in kurzer Zeit vor allem im deutschen Raum angehäuft:

Cerberus ist Großaktionär von Deutscher und Commerzbank , Mehrheitseigner der HSH Nordbank, über die an die Börse gebrachte Wiener Bawag auch von süddeutschen Instituten - und bald könnte noch die NordLB hinzukommen. Ob und wie all diese Teile sich zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen lassen, ist eine offene Frage. Mit Zames hat der Hedgefonds einen Bankprofi angeheuert, dem eine strategische Antwort zuzutrauen ist, und der zudem noch eine gewaltige persönliche Ambition zum großen Wurf zu stillen hat.

"Mir wurde klar, dass dies eine Plattform ist, die bedeutend wachsen kann", zitiert das "Wall Street Journal" den Banker, der angeblich erst seit wenigen Wochen im Gespräch mit Cerberus war. Zuvor wurde er laut "Bloomberg" für den Topjob der Deutschen Bank angesprochen - und lehnte ab mit der Begründung, er wolle lieber in den USA bleiben. Allerdings wäre der Wall-Street-Banker dem Aufsichtsrat auch schwerer zu vermitteln gewesen als der westfälische Risikomanager Sewing.

Erstaunlich ist die jetzige eher zurückgesetzte Rolle angesichts seines Rufs als Superstar bei seinem früheren Arbeitgeber JPMorgan Chase und seinem bekundeten Selbstbewusstsein.

Als Matt Zames die größte US-Bank nach 13 Jahren Karriere und fünf Jahren als Chief Operating Officer im vergangenen Juni verließ, wurde das dem Umstand zugeschrieben, dass seine Aussichten schwanden, den Überbanker Jamie Dimon eines Tages abzulösen.

"Ich will wieder die Eisenbahn betreiben", sagte Zames der "New York Times". "Ich will meine Eisenbahn betreiben, mein Unternehmen führen." Er habe genug davon, immer nur für andere Geschäftsrisiken zu managen. Dimon war weiterhin voll des Lobs über die "außergewöhnlichen Leistungen" des "Weltklassebankers", den er leider ziehen lassen müsse. Allein seine Zusage, bis Februar 2018 für keinen Konkurrenten zu arbeiten, war den New Yorkern zehn Millionen Dollar wert.

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