14.04.2018  Tengelmann-Familie gibt Hoffnung auf

Karl-Erivan Haub - Unternehmer, Familienmensch, Abenteurer

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Karl-Erivan Haub gilt als Onlinepionier im Einzelhandel. Er scheute weder als Unternehmer noch als Privatmann das Risiko
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Karl-Erivan Haub gilt als Onlinepionier im Einzelhandel. Er scheute weder als Unternehmer noch als Privatmann das Risiko

2. Teil: Wille zum kalkulierten Risiko

Die unrentable Drogeriekette kd verkauft er an Rossman. 2003 schlägt er die verlustbringende Schokoladensparte Wissol los. Aus dem Lebensmitteldiscount mit Marken wie Plus zieht er sich zurück. Und verkauft nach langem politischen Hin und Her schließlich 2016 die verbliebeben Kaisers-Tengelmann-Filialen an den Konkurrenten Edeka, der ihm den Erhalt von Arbeitsplätzen garantiert.

Die Unternehmerfamilie habe aus "rein emotionalen Grünen viel zu lange die anfallenden Verluste getragen", bekannte Karl-Erivan Haub später. Stattdessen setzt er auf Non-Food Billigläden wie Kik oder Tedi, die Baumarktkette Obi.

Früh erkennt er auch das Potenzial des Onlinehandels. Und wagt sich als einer der ersten großen deutschen Einzelhändler auch tatsächlich auf das unbekannte Terrain vor.

"Keine Zeit für Bedenkenträger"

Schon früh steigt er beim Onlinemodehändler Zalando ein - und sein Durchhaltevermögen macht sich bezahlt. Bis heute gehört der Handelskonzern zu einem der aktivsten Einzelhandels-Investoren im Onlinehandel - mit Beteiligungen an Zalando, Uber, Delivery Hero, Babymarkt.de und dem Online-Krankenvollversicherer Ottonova. Millionen-Investments, deren Wert sich laut Haub zuletzt auf eine Milliarde Dollar fast verdreifachte - und im vergangenen Jahr fast ein Viertel des geschätzen Familienvermögens von 4,2 Milliarden Euro ausmachte.

Gebracht hätten ihn darauf seine Kinder erzählt der Vater von Zwillingen. Als ihm sein Sohn 2006 einen Wunschzettel mit zugehörigen Internetadressen geschrieben habe, wo das Gewünschte zu bekommen sei, habe ihn dies sehr zum Nachdenken - und dann zu ersten Investments in dem neuen Geschäftsgebiet veranlasst. Allerdings habe ihn das die ersten Jahre auch eine Menge Nerven gekostet, räumte er ein.

Die aktuelle alles umfassende Digitaliserung, verglich der überzeugte Familienunternehmer mit einem Tsunami, der alles Alte auslösche. Dies sei eine "Zeit für Abenteurer, nicht Bedenkenträger" betonte Haub, der das eigene Unternehmen aber nie als "Versorgungswerk" für die nächste Generation sah.

Seine Bereitschaft zum Risiko hat Haub bewiesen, dem es immer wichtig war, Tengelmann auch für die folgenden Generationen zu erhalten. Der Geschäftsbetrieb werde auch bei einer längeren Abwesenheit Haubs ruhig und geordnet weiterlaufen", ließ die Familie am Mittwoch verlauten.

Haubs Abenteuerlust wird dennoch fehlen.

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