08.05.2018  Managerin des Siemens-Umbaus

So hebt sich Janina Kugel von Joe Kaeser ab

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Janina Kugel
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Janina Kugel

"Miteinander reden statt übereinander", heißt die neue Losung aus der Siemens-Konzernzentrale. Das Motto passt zum Auftritt der Personalchefin Janina Kugel, die am Dienstagmorgen Erfolg melden konnte: Der Vorstand hat die Zustimmung von Betriebsrat und Gewerkschaft für seine radikalen Kürzungspläne in der Turbinenproduktion. Außerdem wurde ein "Zukunftspakt" vereinbart, der den Konzern langfristig beweglicher machen soll.

Es ist ein Kompromiss, anders geht es nicht in der deutschen Mitbestimmung und überhaupt im Leben. Die Werke Görlitz und Leipzig werden nicht geschlossen, Erfurt nicht verkauft. Ob es bei den im November angekündigten 3400 in Deutschland zu streichenden Stellen bleibt (von 6900 weltweit), werden die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan in den kommenden Wochen ergeben.

Aber "unsere Einsparziele bleiben unverändert bestehen", beharrt Kugel. Um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag sollen die Kosten der Problemsparten sinken. "Nur der Weg wird anders sein." Betriebsbedingte Kündigungen? Weiterhin nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht erwünscht.

Mit harten Ansagen hat die Personalchefin Druck gemacht. "Defizitäre Geschäfte dauerhaft zu subventionieren, wäre verantwortungslos", ließ Kugel verlauten, als Siemens noch von allen Seiten Kritik für den Kahlschlag besonders in Ostdeutschland im Angesicht von Rekordgewinnen einstecken musste. Dass Siemens am Vortag des Deals Zehntausende Beschäftigte in Zwangsurlaub schickte, habe bewirkt, "dass allen bewusst wird, wie angespannt die Situation ist", sagt sie heute. Es handle sich "nicht um eine Delle, sondern wirklich ein komplett wegfallender Markt".

Selbstverständlich war aber nicht, dass sich Betriebsrat und IG Metall auf die Strategie des Konzerns einlassen. Ungewöhnlich konfrontativ hatten sie auf die ersten Ansagen reagiert, Gespräche anfangs sogar komplett verweigert, solange die Pläne nicht zurückgenommen würden - und sie hatten die öffentliche Meinung auf ihrer Seite, die Politik bis hinein ins liberale Lager, mitunter sogar die Aktionäre.

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