20.03.2018  Konflikt um Fake-News und Russlandaffäre

Transparenz-Streit eskaliert - Facebook-Sicherheitschef auf dem Sprung

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Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos hat den Machtkampf mit der Konzernspitze offenbar verloren
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Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos hat den Machtkampf mit der Konzernspitze offenbar verloren

Seit Facebook in der Kritik steht, zu wenig gegen Fake-News und andere Formen der Desinformation zu tun, tobt ein Streit zwischen zwei Lagern in dem Konzern. Profit auf der einen und Transparenz auf der anderen Seite scheinen dabei zwei unvereinbare Paradigmen zu sein. Der Sicherheitschef des sozialen Netzwerks ist das erste namhafte Opfer dieses Konflikts. Laut "New York Times" wird er das Unternehmen verlassen. Ein hartes Dementi gibt es nicht.

Wie geht Facebook mit seiner Rolle in der Russlandaffäre um? Über diese Frage kam es im Management des weltgrößten sozialen Netzwerks offenbar zum Krach mit der Konzernspitze, bei dem der Sicherheitschef Alex Stamos den Kürzeren zog und nun das Unternehmen im Streit verlassen wird, berichtet die "New York Times".

Stamos hatte sich dafür stark gemacht, die Vorgänge im Zusammenhang um die russische Desinformationskampagne zu untersuchen und öffentlich zu machen, berichtete die Zeitung. Damit sei er jedoch oft bei der Konzernspitze angeeckt, etwa bei COO Sheryl Sandberg.

Nachdem im Dezember seine Aufgaben anderen zugeteilt worden seien, habe Stamos beschlossen, Facebook zu verlassen. Das Management befürchtete jedoch, dass dies einen schlechten Eindruck hinterlassen könnte und habe ihn dazu bewegt, bis August zu bleiben.

Facebook bezog zu dem Bericht zunächst keine Stellung. In einem manager-magazin.de seit Mittwoch vorliegenden Statement erklärt ein Facebook-Sprecher lediglich, dass Stamos akutell noch für den Konzern arbeitet, dementiert aber nicht, dass der Topmanager gehen wolle. Auch Stamos selbst lässt in einem Tweet seine Zukunft bei Facebook offen - ein klares Dementi sieht anders aus:



Facebook war nach der Präsidentschaftswahl 2016 vorgeworfen worden, nicht genug gegen mutmaßliche russische Wahlbeeinflussung unternommen zu haben. Kongressabgeordnete hatten eine stärkere Regulierung des Konzerns ins Gespräch gebracht und jetzt diese Forderung erneuert, nachdem bekannt geworden war, dass die britische Firma Cambridge Analytica Daten von Millionen Facebook-Nutzern unerlaubt für Wahlwerbung genutzt hatte.

Konfliktfront verlief zwischen dem Policy- und dem Sicherheitsteam

In einem gemeinsamen Brief mit dem republikanischen Senator John Kennedy forderte etwa die demokratische Senatorin Amy Klobuchar Klobuchar das Senatsgericht auf, Facebook-Chef Zuckerberg zu einer Anhörung vorzuladen. "Die fehlende Kontrolle darüber, wie Daten gespeichert werden und wie politische Werbung verkauft wird, wirft Bedenken hinsichtlich der Integrität amerikanischer Wahlen und der Rechte auf Privatsphäre auf", heißt es in dem Brief. Die Aktie von Facebook hatte am Montag daraufhin im regulären Handel mehr als 7 Prozent nachgegeben.

Stamos ist dem Bericht zufolge der erste hochrangige Mitarbeiter, der den Konzern im Streit über den Umgang mit Fake-News und anderen Formen der Desinformation auf der Site verlässt. Der Streit soll in dem Unternehmen schon länger gären. Die Konfliktlinie soll vor allem zwischen dem Policy-Team und dem Sicherheitsteam verlaufen.

Während die Sicherheitsexperten auf mehr Transparenz darüber gedrängt hätten, wie einzelne Staaten die Website zur Beeinflussung und Desinformation missbrauchten, hätten das Policy-Team den geschäftlichen Interessen des Unternehmens den Vorrang eingeräumt und auf Diskretion beharrt.

"Die Leute, deren Aufgabe es ist, den Benutzer zu schützen, kämpfen immer einen harten Kampf gegen die Leute, deren Aufgabe es ist, Geld für das Unternehmen zu verdienen", sagte Sandy Parakilas der "New York Times". Parakilas war bis 2012 bei Facebook beschäftigt und hatte entscheidend zur Durchsetzung von Datenschutz-Regeln bei dem Unternehmen beigetragen. Jetzt berät die ehemalige Facebook-Managerin eine gemeinnützige Organisation, die Wirkung von Technologie auf Menschen untersucht.

mit Reuters

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