14.03.2018  Holmes schließt Vergleich mit Börsenaufsicht

SEC wirft Ex-Blut-Milliardärin schweren Betrug vor

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Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes (Archivaufnahme, 2015)
REUTERS
Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes (Archivaufnahme, 2015)

Die US-Börsenaufsicht erhebt schwere Vorwürfe gegen die einstige Blut-Milliardärin Elizabeth Holmes. Holmes, ihr Unternehmen Theranos und dessen einstiger President Ramesh Balwani hätten Investoren systematisch und jahrelang betrogen, teilte die SEC (Securities and Exchange Commission) am Mittwoch mit. Die Beklagten hätten systematisch und über Jahre falsche Angaben zu Technologie und Finanzen des Unternehmens gemacht und so 700 Millionen Dollar Kapital eingesammelt.

Holmes habe einem Vergleich zugestimmt: Die einstige Milliardärin, deren Vermögen "Forbes" zwischenzeitlich auf über drei Milliarden Dollar geschätzt hatte, werde 500.000 Dollar Strafe zahlen und ihre verbleibenden Anteile an Theranos auf das Unternehmen übertragen. Holmes darf laut SEC zudem in den kommenden zehn Jahren keine höheren Managementaufgaben bei börsennotierten Unternehmen übernehmen.

Aufstieg und Fall des "nächsten Steve Jobs"

Holmes und ihr Unternehmen hatten Ende 2014 erstmals für Aufsehen gesorgt. Mit dem Versprechen, das Blut von Patienten mit nur einem kleinen Pikser auf eine Vielzahl von Krankheiten zu untersuchen, hatte die charismatische Gründerin 700 Millionen Dollar Kapital von namhaften Investoren eingesammelt und Theranos so zu einer Bewertung von neun Milliarden Dollar aufgepumpt. Das Magazin "Inc." pries sie auf der Titelseite als "nächsten Steve Jobs".

Im Oktober 2015 hatte ein Report des "Wall Street Journal" erstmals Zweifel an der Technologie des Unternehmens gesät. Theranos nutze sein Wundergerät "Edison" nur für einen Bruchteil der angebotenen Tests, ehemalige Mitarbeiter misstrauten der Genauigkeit der Messungen. Holmes hatte sich zunächst kämpferisch gegeben. Nach Untersuchungen der Gesundheitsbehörde FDA und der Börsenaufsicht SEC hatte dann allerdings ihr wichtigster Partner, die Apothekenkette Walgreens, die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Ende 2016 hatte Theranos dann sein einstiges Kerngeschäft, die Bluttests, aufgegeben. Ein erster Investor klagte wenig später. "Forbes" hatte Holmes schon einige Monate vorher aus seiner prestigeträchtigen Milliardärsliste gestrichen.

"Eine Lehre für das Silicon Valley"

War die komplette Theranos-Story also ein einziges Lügenkonstrukt? Das Unternehmen und seine Gründerin hätten die Betrugsvorwürfe weder bestätigt noch bestritten, schreibt die SEC in ihrer Mitteilung zum Vergleich. Beißende Kritik erlaubt sich die Behörde trotzdem. "Die Theranos-Story ist eine wichtige Lehre für das Silicon Valley", sagt laut Mitteilung Jina Choi, die das SEC-Büro in San Francisco leitet. Disruptive Erfinder, die eine Industrie revolutionieren wollten, müssten Investoren trotzdem wahrheitsgemäß über den Status quo ihrer Technologien aufklären - "nicht nur darüber, was sie sich eines Tages von ihnen erhoffen."

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