04.09.2017  Schweizer Pharmakonzern

Chefwechsel bei Novartis

Novartis-Zentrale im schweizerischen Basel: Generationenwechsel an der Unternehmensspitze
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Novartis-Zentrale im schweizerischen Basel: Generationenwechsel an der Unternehmensspitze

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat einen Macht- und Generationenwechsel an seiner Spitze eingeleitet: Der langjährige Chef des Unternehmens, Joseph Jimenez, tritt auf eigenen Wunsch von seinem Posten zurück. Der 57-Jährige übergibt den Stab zum 1. Februar an einen konzerninternen Nachfolger. Vasant Narasimhan, Jahrgang 1976, ist derzeit bereits als Chef der weltweiten Medikamentenentwicklung (Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer) Mitglied der Geschäftsleitung.

Nach beruflichen Stationen unter anderem beim Ketchupkönig Heinz wechselte der US-Amerikaner Jimenez im Jahr 2007 zu Novartis . Seit 2010 steht er an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Führung wurde in den vergangenen Jahren ein tiefgreifender Umbau eingeleitet. So trennte sich der Konzern von der Tiermedizin, den Impfstoffen und vom Geschäft mit Produkten zur Selbstmedikation. Gleichzeitig sah sich Novartis nach dem Ablauf der Patente wichtiger Blockbuster mit zunehmendem Konkurrenzdruck konfrontiert und musste kontern.

Auch der studierte Mediziner Narasimhan, der zudem einen Abschluss in Public Policy an der John F. Kennedy School of Government der Harvard Universität besitzt, stammt wie Jimenez aus den USA. Er kennt den Novartis-Konzern ebenfalls schon seit langem von innen. Er stieß im Jahr 2005 zu den Schweizern und hatte in dieser Zeit bereits zahlreiche strategische und kommerzielle Führungspositionen sowie in der Arzneimittelentwicklung inne. Vor Novartis war er bei der Beratungsgesellschaft McKinsey.

Novartis prüft Verkauf oder Börsengang für Alcon

Sein Knowhow wird er brauchen, denn auf ihn dürften noch zahlreiche Herausforderungen zukommen: Im Tagesgeschäft litt der Konzern zuletzt noch immer unter der Generikakonkurrenz für sein wichtiges Krebsmittel Glivec sowie unter Preisdruck. Novartis versucht dies durch neue Mittel auszugleichen. Hoffnungsträger sind etwa das Herzmittel Entresto, das Schuppenflechtemittel Cosentyx und das Brustkrebsmittel Kisqali, für das die Schweizer erst vor wenigen Tagen die EU-Zulassung für die Erstlinienbehandlung erhalten haben.

In den USA machte Novartis zuletzt Schlagzeilen mit der Zulassung des Krebsimmunmittels Kymriah, das auf einem neuartigen Wirkmechanismus basiert. Das Mittel ist die erste Gentherapie, dem die US-Medikamentenbehörde grünes Licht gab - gleichzeitig geht der Preis für das Mittel weit über das hinaus, was Beobachter erwartet hatten und löste daher Diskussion aus: 475.000 Dollar soll eine Behandlung kosten.

Probleme bereitete hingegen zuletzt die Generikasparte Sandoz, die vor allem in den USA unter Preisdruck litt. Eine weitere Baustelle im Konzern bleibt die von Nestlé gekaufte Augenheilkundesparte Alcon, die zum ersten Halbjahr weiter in den roten Zahlen steckte. Novartis prüft hier diverse Optionen für das Geschäft, wie etwa einen Verkauf oder einen Börsengang. Umsatzseitig entwickelte sich Alcon zuletzt jedoch besser als erwartet. "Die Erholung bei Alcon erweitert auch unsere Möglichkeiten mit Blick auf die weitere Zukunft der Sparte," sagte Novartis-Chef Jimenez damals und stellte eine Entscheidung bis Ende 2017 in Aussicht.

Der scheidende Novartis-Chef Jimenez hatte zur Halbjahresbilanz angekündigt, dass der Konzern ab 2018 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren soll. Für das laufende Jahr sind noch Erlöse weitgehend auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt, wobei Währungsschwankungen nicht berücksichtigt werden. Beim operativen Kernergebnis erwartet der Konzern ebenfalls wechselkursbereinigt eine Entwicklung auf Vorjahresniveau oder einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

mg/dpa-afx

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