22.06.2017  Showdown in Chicagoer Hotel

So wurde Uber-Badboy Kalanick vor die Tür gesetzt

Von
REUTERS

Erst gelobte er Besserung, dann kündigte er eine Auszeit an, am Ende musste er seinen Posten doch komplett räumen: Der Abgang von Uber-Chef Travis Kalanick, der vor wenigen Tagen für Schlagzeilen sorgte, zog sich schmerzlich hin.

Jetzt enthüllen US-Medien minutiös, auf welche Weise Kalanick die operative Führung des Unternehmens entzogen wurde, das er immerhin selbst mitgegründet und jahrelang praktisch im Alleingang gelenkt hat. Dabei wird klar, was ohnehin schon zu vermuten war: Eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen sieht anders aus.

Wie beispielsweise die "New York Times" berichtet, befand sich Kalanick am vergangenen Dienstag gerade auf Dienstreise in Chicago, um dort Kandidaten für Vorstandsposten in seinem Unternehmen zu interviewen. Ebenfalls nach Chicago waren aufgebrochen: Die Venture-Kapitalisten Matt Cohler und Peter Fenton, beide Partner der Investmentfirma Benchmark, die zu den größten Anteilseignern Ubers zählt.

Im Gepäck hatten Cohler und Fenton einen Brief, an dessen Entstehung maßgeblich ein Dritter Benchmark-Manager beteiligt war: Bill Gurley, der für die Finanzfirma auch im Uber Verwaltungsrat sitzt. Gurley hatte zuvor bereits wochenlang hinter den Kulissen an Kalanicks Stuhl gesägt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Das Resultat seiner Bemühungen war demnach jenes Schreiben, das eine Reihe von Forderungen an Kalanick enthielt - inklusive dessen Rücktritts noch am gleichen Tage. Unterzeichnet war das Schreiben nach Angaben Bloombergs von fünf Investoren, die gemeinsam etwa 40 Prozent der Uber-Anteile halten. Darunter befindet sich nach Angaben der "Times" neben Uber auch der Investmentfonds-Riese Fidelity.

Überraschender Besuch also für Kalanick in Chicago: Cohler und Fenton suchten den Noch-Uber-Chef auf und übergaben ihm den Brief der Anteilseigner persönlich.

Und Kalanick reagierte offenbar, wie man es angesichts seines Raubein-Images erwarten würde: Er weigerte sich zunächst, auf die Forderungen einzugehen. Wie die "New York Times" schreibt, rief der Uber-Chef zunächst Arianna Huffington an, die Gründerin der gleichnamigen Online-Plattform, die seit einiger Zeit ebenfalls im Uber-Verwaltungsrat sitzt. Huffington sagte zu Kalanick, die Forderungen der Investoren seien durchaus ernst zu nehmen, so die "Times". So kam es zu einer längeren Diskussion.

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