16.06.2017  Die außerordentliche Karriere des Roland Decorvet

"Ich habe den besten Job der Welt"

Von
Roland Decorvet vor seinem Krankenhaus-Schiff.
Toni Rasoamiaramanana
Roland Decorvet vor seinem Krankenhaus-Schiff.

2. Teil: "Jeder Idiot kann eine Fabrik in Afrika bauen"

mm.de: Dann hat sich Ihr Experiment ja gelohnt.

Roland Decorvet: Auf jeden Fall. Das wichtigste im Leben ist, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn zu haben, ganz egal, wie diese Antwort aussieht. Und diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Sie wollen für Unternehmen arbeiten, die eine Vision haben und Produkte kaufen, die verantwortungsvoll hergestellt werden. Auf diese Herausforderungen muss die Wirtschaft reagieren.

mm.de: Sie haben mit Hilfe des kanadischen Versicherungskonzerns Fairfax die Nahrungsmittelproduktion des südafrikanischen Konzerns Afgri übernommen und sind nun Miteigner und CEO des im April neugegründeten Unternehmens Philafrica Foods. Was macht das Unternehmen so besonders?

Roland Decorvet: Wir haben 12 Fabriken von Afgri übernommen, die vor allem Getreide, Öle und Tierfutter herstellen. Damit kommt Philafrica auf 400 Millionen Dollar Umsatz. In 10 Jahren wollen wir 2 bis 3 Milliarden Dollar umsetzen, vor allem aber, das Leben unzähliger Kleinbauern verbessert und damit einen Beitrag zur Transformation Afrika geleistet haben.

mm.de: Wie?

Roland Decorvet: Früher haben europäische Großgrundbesitzer Afrika ausbluten lassen, heute erinnern die riesigen chinesischen Farmen stark an diese Zeit. Wir wollen einen Pull-Effekt setzen, indem wir afrikanische Rohstoffe von entlegenen kleinen Farmen kaufen, die keinen Zugang zu Absatzmärkten haben. Zudem zahlen wir sehr gute Preise und bieten Schulungen an. Wir wollen Profit machen, aber nicht um jeden Preis.

mm.de: Schulungen bieten auch unzählige NGOs an.

Roland Decorvet: Ja, aber nicht auf einem solchen Level. Wir werden allein in den nächsten Monaten Fabriken in Mosambik, Simbabwe, Kenia, Nigeria und der Elfenbeinküste eröffnen. Statt, wie es bisher in Afrika meist der Fall ist, diese Rohstoffe zu exportieren, werden wir sie hier verarbeiten und weiterverkaufen, in Afrika und die ganze Welt.

mm.de: Wird man Produkte von Philafrica also bald in Europa finden?

Roland Decorvet: Ja, aber sie werden sie nicht als solche erkennen. Wir verkaufen die verarbeiteten Rohstoffe an Markenartikelkonzerne weiter und schließen damit eine Marktlücke. Jeder Idiot kann eine Fabrik in Afrika bauen, aber mit der schlechten Rohstoffversorgung umzugehen, ist schwierig. Viele Länder hier bauen Tomaten an, trotzdem stammen 90 Prozent des Tomatenmarks aus China. Solche Probleme wollen wir lösen.

mm.de: Das wird nicht einfach.

Roland Decorvet: Sicher, dafür brauchen wir neue Wege. Es wird auch darum gehen, Produkte wie Stärke statt mit typisch europäischen Rohstoffen mit afrikanischen wie Maniok herzustellen.

mm.de: Woher rührt eigentlich Ihre Liebe zu Afrika?

Roland Decorvet: Ich bin im Kongo aufgewachsen. Mein Vater war Missionar, meine Frau stammt aus Madagaskar. Ich bin glücklich, etwas zurückgeben zu können.

mm.de: Manager stehen oft in der Kritik, zu viel Geld zu verdienen. Was hält jemand wie Sie von diesem Diskurs?

Roland Decorvet: Ich halte es mit dem englischen Prediger John Wesley: "Verdiene so viel wie du kannst, spare so viel wie du kannst und gebe so viel wie du kannst." Niemand sollte sich schämen, wenn er viel Geld verdient, solange sich das Unternehmen gut entwickelt und ethisch handelt.

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