28.04.2017  Ray Dalio predigt völlige Transparenz

Gnadenlos ehrlich - dieser Chef lässt sich öffentlich beschimpfen

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Ray Dalio
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Ray Dalio

Ray Dalio ist es gewohnt, mit Lob überhäuft zu werden. Als Gründer und langjähriger Chef - offiziell nur noch Co-Chief Investment Officer - des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates pendelt er meist zwischen Anerkennung und Bewunderung. Seine einzigartige Portfolio-Strategie zielt darauf, den "heiligen Gral" hoher Rendite mit geringem Risiko zu finden - und viele glauben, Dalio habe diesen Gral bereits.

Umso wertvoller ist für ihn Feedback, wenn es auch mal negativ ausfällt - und dann gerne gleich drastisch. "Ray, du verdienst ein D- (also in etwa die deutsche Schulnote 5) für deinen Auftritt im Meeting heute ... Du hast dich überhaupt nicht vorbereitet, denn wenn du es hättest, könntest du unmöglich so durcheinander sein", schrieb ihm ein Portfolio-Manager namens Jim Haskel ins Stammbuch.

Dalio hat das harsche Urteil selbst weiter verbreitet - erst intern an die Angestellten weitergeleitet, und nun noch in einen öffentlichen Vortrag aufgenommen, über den das Karriereportal LinkedIn berichtet. Auch das Urteil einer 24-jährigen Research-Mitarbeiterin nahm er auf, die ihm in einer Diskussion über Trumps Folgen für die Wirtschaft attestierte: "Was du sagst, ergibt nicht wirklich viel Sinn."

Der Hedgefonds-Guru wirbt für "radikale Transparenz" und empfiehlt anderen Managern, es ihm gleichzutun. Wer wirklich wisse, was die Mitarbeiter denken, werde schneller auf Schwächen und Stärken aufmerksam. Das helfe weiter, im Gegensatz zu diplomatischen Phrasen, die aus Angst vor der Autorität abgesondert werden.

Dalio lässt nicht nur sich selbst offen kritisieren. Er präsentierte auch ein internes Feedback-Portal namens Dot Collector, in dem alle Bridgewater-Angestellten sich gegenseitig bewerten.

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