05.04.2017  Insolvenz als lukrative Jobchance

Dieser Chef einer Pleitefirma bekommt 35 Millionen Dollar

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Branchenveteran: Ultra-Petroleum-Chef Michael Watford auf einer Öl- und Gaskonferenz 2006
Bloomberg via Getty Images
Branchenveteran: Ultra-Petroleum-Chef Michael Watford auf einer Öl- und Gaskonferenz 2006

"Schlechte Leistungen dürfen nicht auch noch prämiert werden", begründet die SPD ihre Forderung nach einem Deckel für Managergehälter - wie ihn Volkswagen infolge der Gerechtigkeitsdebatte bereits beschlossen hat.

Ob Michael Watfords Leistung gut oder schlecht war, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls wird der Chef von Ultra Petroleum jetzt dafür prämiert, dass er die US-Öl- und Gasfirma aus der Pleite führt, in die er sie zuvor hineingeführt hatte. Der Bonus übersteigt das in Deutschland diskutierte Zehn-Millionen-Maximum bei weitem.

Laut "Wall Street Journal" (kostenpflichtig) ist Watfords Aktienpaket 35 Millionen Dollar wert. Die Anteilsscheine sind Teil einer Neuemission, mit der vor allem frühere Gläubiger als Entschädigung für einen Schuldenerlass zu Miteigentümern gemacht werden. Der Deal wurde im März gerichtlich gebilligt, in den kommenden Wochen soll er vollzogen werden. Dann kann Ultra Petroleum das Insolvenzverfahren verlassen und der Börsenhandel mit den Aktien wieder aufgenommen werden.

Watfords Firma hatte den Gläubigerschutz nach Chapter 11 vor einem Jahr beantragt, mit knapp vier Milliarden Dollar Schulden als einer der größten Fälle der Pleitewelle von Fracking-Firmen, die im Frühjahr 2016 ihren Höhepunkt erreichte. Treibende Kraft war der Verfall der Gas- und Ölpreise, der die zahllosen mit Anleihen finanzierten Bohrungen unwirtschaftlich machte und das Verhältnis von Schulden zu Gewinnen über eine vertraglich vereinbarte Grenze brachte.

Der lukrativste Job in der Branche

Nach dem "freiwilligen" Antrag behielt das Management die Kontrolle und arbeitete die Restrukturierung mit den Gläubigern aus. Michael Watford steht bereits seit 1999 an der Spitze von Ultra Petroleum, die sich inzwischen auf Erdgas-Fracking im Sandstein unter Wyoming spezialisiert hat, mit weiteren Gaslizenzen in Pennsylvania und einer zugekauften Ölbohrfirma in Utah.

In der Branche liegen Chancen und Risiken dicht beieinander, und oft entscheidet das pure Glück über Milliardenbeträge. Neben den Rohstoffpreisen spielt auch der Erfolg der erworbenen Bohrlizenzen eine große Rolle.

Manche Fracking-Firmen konnten ihren Gläubigern nach dem Verkauf ihrer Lizenzen nur einen Bruchteil ihrer Ansprüche erstatten. In anderen Fällen blieb sogar für die Altaktionäre noch etwas übrig, weil manche Gläubiger einem Teilverzicht zustimmten. Normalerweise muss im Insolvenzfall erst das Eigenkapital der Aktionäre aufgezehrt werden, bevor unbesicherte Anleihehalter herangezogen werden.

Ultra Petroleum kann den Altaktionären - darunter auch Watford selbst - nach eigenen Angaben noch mindestens 40 Prozent der sanierten Firma lassen. In so einer erfolgreichen Umschuldung ist es laut "WSJ" durchaus üblich, dass das Topmanagement mit neuen Aktien belohnt wird. Michael Watford rage nur durch die schiere Größe seines Unternehmens heraus.

Sein Glück lässt sich sogar verallgemeinern. Das Blatt zitiert Brian Williams, Geschäftsführer der auf Restrukturierungen spezialisierten Investmentberatung Carl Marks Advisors: "In überraschend vielen Fällen heißt der lukrativste Job in der Öl- und Gasbranche CEO einer Pleitefirma."

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