24.03.2017  Ivanka Trumps neue Rolle

Die Augen und Ohren des Präsidenten

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Das wird sicher ein Bestseller. "Women Who Work - Rewriting the Rules for Success" von Ivanka Trump soll im Mai erscheinen. Mit "Frauen, die arbeiten" wäre die Botschaft der First Daughter der USA wörtlich übersetzt. Das gleichnamige Netzwerk, dem sie angehört, will Frauen zu ambitionierter Karriere und gleichzeitig erfülltem Leben inspirieren.

Etwas ironisch ist der Titel, weil Trump auf absehbare Zeit gar keine Arbeit hat - zumindest keine bezahlte. Aus der Führung des familieneigenen Immobilienkonzerns hat sie sich zugunsten der Brüder Eric und Donald Jr. zurückgezogen. Die strauchelnde Mode- und Schmucklinie, die ihren eigenen Namen trägt, hat sie in andere Hände gegeben. Im Weißen Haus bekommt sie zwar ein Büro, aber keinen Posten. Identifikationsfigur für die moderne Frau: die Tochter von Donald.

Als Anhängsel eines starken Mannes wäre Ivanka Trump aber sträflich unterschätzt. Nicht nur die erste Riege der deutschen Wirtschaft um Siemens-Chef Joe Kaeser und BMW-Kollege Harald Krüger schaute sich um, als die First Daughter den besten Platz beim Roundtable zum Staatsbesuch in Washington bekam: gleich neben der Kanzlerin.

"I had the privilege", läutet sie ihren Instagram-Post dazu ein. In dem Fall passt die Floskel: Ivanka Trump genießt ein beispielloses Privileg, aus Gnade der Geburt im Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Macht zu sitzen. Auch in anderen Business-Runden mit dem Präsidenten war Ivanka stets prominent dabei. Offensichtlich geht sie weit darüber hinaus, die durch den Wahlerfolg ihres Vaters gewonnene Prominenz zur Promotion für ihre Produkte zu nutzen.

Ivanka Trump

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Fast schon egal, dass "der Präsident der Vereinigten Staaten jeden Interessenkonflikt haben darf, den er will", wie Donald Trump der "New York Times" ins Stammbuch schrieb. Regeln gegen die Beschäftigung naher Angehöriger gibt es für die US-Regierung, aber die gelten laut Justizministerium nur für Ministerien.

Ohnehin scheint Ivanka Trump kaum noch daran interessiert, Luxusschmuck oder -apartments zu verkaufen. Dass ein Appell wie "Kauft Ivankas Sachen" aus dem Weißen Haus kommt, wenn Kaufhausketten ihre Accessoires aussortieren - fast schon egal angesichts ihrer Ambitionen.

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