24.03.2017  80 reiche New Yorker fordern höhere Besteuerung

Das gespaltene Verhältnis von Starinvestor George Soros zum Fiskus

Von
Multimilliardär und Finanzjongleur George Soros hat zusammen mit 79 weiteren prominenten Reichen und Superreichen einen Appell für höhere Steuern auf Spitzeneinkommen unterzeichnet
REUTERS
Multimilliardär und Finanzjongleur George Soros hat zusammen mit 79 weiteren prominenten Reichen und Superreichen einen Appell für höhere Steuern auf Spitzeneinkommen unterzeichnet

80 prominente, hoch vermögende New Yorker - unter ihnen Starinvestor George Soros oder Steven Rockefeller - fordern höhere Steuern auf ihre Einkommen. So einfach ist das aber offenbar nicht. Und gerade Soros nutzte in der Vergangenheit so manchen Steuerkniff.

"Wir wollen mehr Steuern zahlen!" Welcher Stadtkämmerer wünschte sich nicht so ein Bekenntnis? Vor allem, wenn es die Reichsten selbst formulieren. 80 prominente New Yorker haben jetzt den Gouverneur des Bundesstaates New York genau mit dieser Forderung konfrontiert, berichten unterschiedliche US-Medien.

Zu den prominenten Unterzeichnern des Briefs zählen unter anderem Finanzmogul George Soros, Steven Rockefeller oder Abigail Disney. Sie fordern nicht weniger, als ihr und das Einkommen anderer Topverdiener höher zu besteuern, um mit dem Geld Schulen, Straßen und Brücken zu erneuern oder mittellose Menschen in der Stadt zu unterstützen.

"Jetzt ist es an der Zeit in die langfristige Überlebensfähigkeit von New York zu investieren", zitieren unter anderem "Daily News" und "Huffington Post" aus dem Brief. Viele der Unterzeichner seien Millionäre und zählten mit Blick auf ihre laufenden Einkommen zu dem 1 Prozent der Reichsten des Staates.

Auf einen Schlag zwei Milliarden mehr in die New Yorker Staatskasse

"Es ist einfach fantastisch, dass so viele der reichsten Bewohner des Staates bereit sind, mehr zu zahlen", sagt Ron Deutsch, Chef des Fiscal Policy Institute, einer liberal orientierten Denkfabrik. Würde man den Spitzensteuersatz für die Reichen nur auf knapp 10 Prozent erhöhen, könnten damit zwei Milliarden Dollar mehr in die Staatskasse fließen, rechnen Soros und Co. den Berichten zufolge vor.

Allerdings wusste der Hedgefonds-Milliardär seine Gewinne in der Vergangenheit durchaus auch vor dem Zugriff des Fiskus zu schützen und nutzte so manches Steuerschlupfloch . Muss man daher seine Unterschrift unter dem Aufruf nach höherer Besteuerung von Spitzeneinkommen als reine Imagepolitur verstehen? Damit täte man dem gebürtigen Ungar wohl Unrecht. Denn zugleich gilt er als Philanthrop und großzügiger Spender.

Soros nutzte in der Vergangenheit sehr wohl Steuertricks

Vielleicht auch deshalb, weil er weiß, dass höhere Steuern auf Spitzeneinkommen alles andere als ein politischer Selbstgänger sind. Denn auch in New York sind die Lager darüber zerstritten. Während die Demokraten eine höhere Besteuerung von Spitzeneinkommen befürworten, lehnen Republikaner die Pläne der Demokraten ab.

Derzeit verhandeln die widerstreitenden Parteien die Details des Staatshaushaltes und hoffen auch in der Frage höherer Steuern auf Spitzeneinkommen bis zum 1. April eine Einigung zu erzielen. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Spitzenverdiener New Yorks mit einem ähnlichen Brief und gleichlautender Forderung an den Gesetzgeber gewandt - vergebens.

Eine derlei konzertierte Aktion von Milliardären und Multimillionären indes sucht in Deutschland noch ihresgleichen. Hier sind es eher "Einzeltäter", wie der SAP-Gründer und Milliardär Dieter Hopp, die dann hin und wieder mit Forderungen nach einem Spitzensteuersatz von 60 Prozent für Aufmerksamkeit sorgen.

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen