14.03.2017  Ermittlungen gegen François Fillon eingeleitet

Pariser Politaffäre bringt Fitch-Eigner ins Zwielicht

Besondere Verbindung: Fillon, damals Premierminister (l), zeichnet Marc Ladreit de Lacharrière 2009 für unternehmerischen Mut aus
AFP
Besondere Verbindung: Fillon, damals Premierminister (l), zeichnet Marc Ladreit de Lacharrière 2009 für unternehmerischen Mut aus

Er ist reich, diskret und exzellent vernetzt: In der Affäre um den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon spielt der Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière eine wichtige Rolle. Wenn Fillon am Mittwoch vor den Untersuchungsrichtern erscheint, die an diesem Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet haben, könnte die Sprache auch auf den 76-jährigen Milliardär an seiner Seite kommen.

Eine Anklage ist das noch nicht, aber laut französischer Strafprozessordnung müssen für ein Ermittlungsverfahren "schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien" eine Täterschaft oder Mittäterschaft des Verdächtigen "wahrscheinlich" machen. Schon die Berichte haben Fillon vom Favoriten zum Außenseiter der Präsidentenwahl im April und Mai gemacht.

Seit den Enthüllungen der Zeitung "Le Canard Enchaîné" Ende Januar ist bekannt, dass Ladreit de Lacharrière eine ganz besondere Beziehung zu Fillon unterhält, den er selbst als langjährigen Freund bezeichnet. "MLL", wie der Geschäftsmann wegen seiner Initialen auch genannt wird, besitzt unter anderem die traditionsreiche Zeitschrift "Revue des Deux Mondes". Sie beschäftigte Fillons Frau in den Jahren 2012 und 2013 als Mitarbeiterin. Dafür soll Penelope Fillon 100.000 Euro kassiert haben - ohne dass ersichtlich ist, was sie dafür geleistet hätte.

Vor einer Woche enthüllte "Le Canard" zudem, dass Fillon von dem Unternehmer einen zinslosen Kredit in Höhe von 50.000 Euro erhielt, den er in seiner Vermögensaufstellung für die Transparenzbehörde unterschlug. Die Ermittler fragen sich, ob das Geld ein Dankeschön war. Denn 2011 hatte sich Fillon als Premierminister dafür eingesetzt, dass der Geschäftsmann die höchste Würdigung der französischen Ehrenlegion erhielt. Im Raum steht deshalb der Verdacht der Bestechlichkeit.

Der Milliardär selbst hat gegenüber der Zeitung "Le Monde" den Vorwurf zurückgewiesen, er sei der Mäzen des Politikers Fillon: "Ich habe niemals einen Kandidaten finanziert", betonte Ladreit de Lacharrière. "Ich stehe nicht im Dienst irgendeines Politikers."

Großaktionär der Ratingagentur Fitch

Tatsächlich ist der Unternehmer, der laut dem Magazin "Forbes" auf Rang 23 der reichsten Franzosen steht, keiner politischen Richtung zuzuordnen. Er gilt als Vertrauter des früheren konservativen Staatschefs Jacques Chirac, mit dem er die Liebe zur Kunst teilt. Er unterhält aber auch enge Beziehungen zu dem sozialistischen Amtsinhaber François Hollande.

Sein Vermögen hat "MLL" vor allem seiner Holding Fimalac zu verdanken, die an der Börse mit drei Milliarden Euro bewertet wird. Unter deren Dach sind zahlreiche Beteiligungen versammelt: Unter anderem an der Ratingagentur Fitch, die der Unternehmer 1997 kaufte und an der Fimalac nach dem Verkauf der Mehrheit an US-Verlag Hearst noch 20 Prozent hält. Neben Standard & Poor's und Moody's zählt Fitch mit Sitz in New York und London zu den drei großen Richtern über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten.

Dazu kommen Immobilien, die Mediengruppe Webedia sowie rund hundert Konzert- und Theatersäle in Frankreich.

Ladreit de Lacharrière stammt aus einer einflussreichen Familie: Nach seiner Geburt im November 1940 wuchs er als Sohn eines Generals in einem Schloss im Departement Ardèche im Südosten Frankreichs auf. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und absolvierte eine Ausbildung an der ENA, der Kaderschmiede für Verwaltungsbeamte. Ein politisches Amt strebte er aber nie an.

Nach seinem Studium ging er zur Bank Indosuez und arbeitete danach 15 Jahre lang für den Kosmetikkonzern L'Oréal. Im Jahr 1991 gründete er seine Holding. Über Fimalac ist Ladreit de Lacharrière auch mit Fillon geschäftlich verbunden: Die Holding war Kunde von Fillons Beratungsfirma 2F, die dieser nach seiner Zeit als Premierminister 2012 gründete.

Über Fillon sagte der Unternehmer einmal: "Wir haben viele Kämpfe zusammen ausgefochten." Inwieweit "MLL" sonst noch von dieser speziellen Freundschaft profitierte, interessiert die Ermittler, die ihn in der Affäre bereits befragt haben. Um ihren Ruf müssen beide Männer nun für sich alleine kämpfen.

ak/afp

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