14.03.2017  Position des Bruders verschwiegen

Vizechefin der Bank of England tritt nach 14 Tagen zurück

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Rücktritt nach nur 14 Tagen im Amt. Charlotte Hogg ist von ihrem Amt als Stellvertreterin der altehrwürdigen Bank of England zurückgetreten
Bloomberg via Getty Images
Rücktritt nach nur 14 Tagen im Amt. Charlotte Hogg ist von ihrem Amt als Stellvertreterin der altehrwürdigen Bank of England zurückgetreten

Ihre Familie stellt seit Generationen herausragende Politiker und Anwälte. Auch Charlotte Hogg machte Karriere - erst in der Finanzbranche, dann bei der Bank of England. Jetzt stolperte die Vize-Chefin der Zentralbank über einen Interessenkonflikt und trat nach nur 14 Tagen im Amt zurück.

Erst seit wenigen Tagen ist Charlotte Hogg als Vizechefin der britischen Notenbank im Amt. Nun ist sie von ihrer Position zurückgetreten, teilte die Bank of England auf ihrer Internetseite mit. Grund des überraschenden Rücktritts der Karrierefrau ist eine scharfe Kritik des Finanzausschusses des britischen Parlaments.

Dieser rügte in einem Bericht, dass Hogg nicht offengelegt hat, dass ihr Bruder in einer höheren Position bei der von der Notenbank beaufsichtigten Geschäftsbank Barclays arbeitet. Hogg war 2013 als Chief Operating Officer in den Dienst der Bank of England getreten und wurde zum 1. März zur Stellvertreterin der Notenbank berufen.

Indem Sie den möglichen Interessenkonflikt bei ihrer Einstellung verschwieg, würde Hogg nicht mehr die hohen Standards der Notenbank erfüllen, urteilte der Finanzausschuss in seinem Bericht laut Nachrichtenagenturen. Sie habe damit den Verhaltenskodex der Bank verletzt, den sie selbst mit geschrieben hatte.

Hogg verfasste Verhaltenskodex für Banken mit

Hogg war in ihrer neuen Position als Mitglied des obersten Komitees der bei der Zentralbank angesiedelten Prudential Regulatory Authority auch mit für die Aufsicht der Finanzbranche verantwortlich. Barclays, wo ihr Bruder Quentin als Mitglied einer Strategiegruppe arbeitet, wird von der Notenbank mit beaufsichtigt.

Charlotte Hogg hatte vor ihrer Tätigkeit für die Notenbank Karriere in der Finanzbranche gemacht. Um so erstaunter zeigten sich Beobachter nun, dass ihr solch ein schwerer Patzer unterlaufen ist.

Sie habe einen Fehler gemacht, entschuldigte sich Hogg in einem der Notenbank vorliegenden Brief und erklärte zugleich, sie habe aus dieser Tatsache keinen finanziellen Vorteil gezogen. Eine Entschuldigung allein reiche aber nicht aus, betonte Hogg. "Wir als Beamte haben die von anderen eingeforderten Standards nicht nur einzuhalten, sondern sie zu übertreffen." Das habe sie versäumt und damit dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Notenbank geschadet.

Fall Hogg löst Diskussion über Privilegierte in Großbritannien aus

Notenbankgouverneur Mark Carney bedauerte den Rücktritt von Hogg, lobte aber zugleich ihre bisherige Tätigkeit bei der Zentralbank. Mit ihrem Schritt habe sie aus ihrer Sicht im besten Sinne für die Institution gehandelt.

Der Fall hat in der Öffentlichkeit für erhebliches Aufsehen und für eine Diskussion über die Verantwortung von Priviligierten in der klassenbewussten britischen Gesellschaft gesorgt. Hoggs Familie spielt eine besondere Rolle im öffentlichen Leben, stellen Mitglieder der Familie doch seit Generationen herausragende Politiker und Anwälte in Großbritannien.

Hoggs Vater Douglas zum Beispiel ist - wie Mutter Sarah Hogg - Mitglied im Oberhaus und gehörte unter Premier John Major der Regierung an. Seinen Ruf soll der Senior dadurch beschädigt haben, dass er die Kosten für die Reinigung seines Abwassergrabens auf seinem Anwesen den Staat bezahlen ließ, weiß die "Neue Züricher Zeitung" zu berichten.

mit Nachrichtenagenturen

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