01.03.2017  Bankenrebell Mike Mayo befragt JPMorgan privat

Kein Job? Egal - Ein Freizeit-Analyst trollt Topbanker Dimon

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JPMorgan-Chef Jamie Dimon: "Sie sind auch eine Marke, Mike"
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JPMorgan-Chef Jamie Dimon: "Sie sind auch eine Marke, Mike"

Es soll Analysten geben, die Aktien zum Kauf empfehlen, ohne so genau hinzuschauen - besonders, wenn die eigene Bank daran verdient. Manche sehen ihre Rolle auch eher als Türöffner, die für ihre Kunden direkten Kontakt zu Topmanagern vermitteln. Das eigene Research, ob nun Kaufen oder Verkaufen darüber steht, wird dann zur Nebensache.

Mike Mayo ist nicht so einer. Der Bankanalyst hat sich einen Namen als besonders kritischer Geist gemacht. Er hat zwar gerade seinen Job verloren, weil der Arbeitgeber CLSA - eine Tochter der chinesischen Citic-Bank - sich aus US-Kundengeschäften zurückzieht. Doch seinen Job macht er auch ohne Arbeitgeber weiter.

Als "freischaffender Analyst" meldete er sich zur Investorenkonferenz von JPMorgan an diesem Dienstag an, wie "Dealbreaker" berichtet. Bohrende Fragen nach Profitabilität des Einlagengeschäfts und den Vorteilen einer Trennung von Privatkunden- und Investmentbanking zu stellen - wozu braucht er da einen Auftrag?

Mayo gehörte zu den prominentesten, die 2007 vor der kommenden Finanzkrise warnten und Anlegern rieten, aus Bankaktien zu fliehen. Nachdem die Vorhersage eintraf, wurde er in der Kongressanhörung zu den Ursachen der Krise als erster Zeuge nach den Chefs der Großbanken gehört.

Brian Moynihan riet er 2015, die Aktionäre "um Vergebung" zu bitten anstatt um Erlaubnis, bei der Bank of America CEO und Chairman zugleich zu sein.

"Ich denke, er sollte in den nächsten zwei Wochen gehen", sagte er 2012 über Citigroup-Chairman Dick Parsons - was der dann auch tat.

Am häufigsten legte Mayo sich jedoch mit JPMorgan-Chef Jamie Dimon an. Nach dem Milliardendebakel des "London Whale" mit Fehlspekulationen auf Unternehmensanleihen fragte er Dimon, ob der "aus dem Tritt gekommen" sei. Und mitunter fühlte sich Dimon bemüßigt, bissig zu antworten: "Deshalb bin ich ja reicher als Sie", kommentierte der Starbanker die Frage des Staranalysten, ob das Eigenkapital der Bank wirklich ausreiche.

Diesmal jedoch gab Dimon, der sich sowieso auf Donald Trumps große Deregulierung der Banken freut, gnädig: "Sie sind auch eine Marke, Mike. Sie brauchen CLSA nicht."

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