24.02.2017  Manager nach Kritik am Chef gefeuert

Diesem Hedgefonds-Mann sind Ideale wichtiger als Millionen Dollar

Gespaltenes Land: Auch im US-Finanzgewerbe gibt es unterschiedliche Ansichten über US-Präsident Donald Trump - einen Hedgefonds-Manager kostete das nun seinen Job
AFP
Gespaltenes Land: Auch im US-Finanzgewerbe gibt es unterschiedliche Ansichten über US-Präsident Donald Trump - einen Hedgefonds-Manager kostete das nun seinen Job

David Magerman gehört zum exklusiven Klub von rund hundert Partnern von Renaissance Technologies. Der Hedgefonds steht nicht gerade im Fokus der Öffentlichkeit - obwohl er als eine der effektivsten Gelddruckmaschinen in der Wirtschaftsgeschichte beschrieben wird. Die Gewinne sollen sich laut "Wall Street Journal" in den vergangenen 28 Jahren auf 55 Milliarden Dollar summiert haben. Wer hier einmal zum Partner aufgestiegen ist, verlässt das Unternehmen nicht mehr. Jedenfalls nicht, bis die Altersgrenze erreicht ist. Und er vermeidet in der Regel auch jedes Risiko, seinen Boss so zu verärgern, dass dieser ihn rausschmeißt.

Wenn einer doch rausfliegt, müssen die Gründe schon gravierend sein. So wie im Falle Magermans. Sein Chef, Co-CEO Robert Mercer, gehört zu den superreichen Männern, die den Aufstieg Donald Trumps mit Millionenbeträgen unterstützt haben und auch weiterhin großzügig aushelfen sollen, wenn Geld nötig ist. Das gefällt Magerman nicht. Und diese Kritik hat er nun in einem bemerkenswerten Artikel des "Wall Street Journal" öffentlich kundgetan - mit verhängnisvollen Folgen.

Jeder Dollar, den Magerman zum Gewinn von Renaissance Technologies beitrage, trage auf dem Umweg über Mercers Spenden zum Erstarken von Trump bei, erklärte Magerman einem Reporter des "Wall Street Journal". Und Mercer sei derjenige, der die Zahlungen veranlasse.

Nach Auskunft von Magerman habe Mercer die Kampagne von Trump mitfinanziert und, gemeinsam mit seiner Tochter Rebecca, dafür gesorgt, dass Kellyanne Conway und Steve Bannon ihre einflussreichen Posten als Berater des Präsidenten bekamen.

"Die Firma ist mein Lebenswerk - unter meiner Leitung ist das Handelssystem entstanden, das bis heute genutzt wird", erklärte Magerman dem Journalisten. "Aber jetzt fühle ich mich erleichtert - auch wenn es dazu führen könnte, dass sie mich feuern. Möglicherweise ist es das Beste."

Von allen Pflichten entbunden

Tatsächlich ließ der Anruf nach der Veröffentlichung des Artikels nicht lange auf sich warten. Mercer persönlich habe bei ihm angerufen und ihn mit sofortiger Wirkung von allen Pflichten entbunden und jeden weiteren Kontakt zu Renaissance Technologies verboten, erklärte Magerman später.

Die Entlassung dürfte Magerman nicht in eine finanzielle Notlage stürzen. Nach eigenen Angaben lebt er in einem riesigen Haus in einem Villenviertel von Philadelphia, fährt einen Tesla - und hat jedes Jahr Millionen für Spenden an wohltätige Organisationen übrig. Doch mit der Illoyalität gegenüber seinem Chef hat er zweifelsohne auf viel Geld verzichtet, das er in seiner Karriere bei Renaissance noch hätte verdienen können.

Von Mercers Leidenschaft für Trump auf die Gesinnung des gesamten Hedgefonds zu schließen, wäre übrigens nicht richtig. Renaissance-Gründer James Simons engagiert sich ebenfalls mit viel Geld in der Politik - er ist als einer der großzügigsten Spender für die Demokraten bekannt.

spon/cr

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