15.02.2017  Chemiemagnat Jim Ratcliffe und sein Milliarden-Hobby

Dieser Land-Rover-Fan leistet sich eine neue Automarke

Von
INEOS

Jim Ratcliffe meint es ernst. Der britische Chemieindustrielle wagt sich laut eigener Mitteilung tatsächlich an das Abenteuer, mit seiner Firma Ineos eine komplett neue Autoproduktion zu erschaffen. Eine hohe dreistellige Millionensumme solle in das Projekt fließen, für das bereits ein Team von Autoexperten zusammengestellt werde.

Der bisher am Ineos-Standort Köln für Engineering und Technologie zuständige Petrochemiker Dirk Heilmann wurde bereits zum CEO der neuen Sparte Ineos Automotive genannt. "Unsere Aufgabe ist es, den weltbesten Geländewagen zu konzipieren", erklärt Heilmann. Und: "Wir sind sicher, diesen Plan erfolgreich umzusetzen." Nun werde nach geeigneten Standorten für die Produktion in Europa gesucht.

Kein Geheimnis macht die Chemiefirma daraus, dass sie einem Spleen des Chefs und Mehrheitseigners folgt, der auch Großgrundbesitzer in Islands wilder Natur ist. "Ich bin ein Fan des Land Rover Defenders und habe großen Respekt vor seiner Geländefähigkeit", so Ratcliffe. Weil der zum indischen Tata-Konzern gehörende Hersteller Jaguar Land Rover die Traditionslinie unter Verweis auf moderne Umwelt- und Sicherheitsbedingungen eingestellt hat und erst in einigen Jahren Ersatz schaffen will, sieht er eine Marktlücke.

Was Industrieberater Tim Lawrence von PA Consulting laut "Financial Times" als "Schrulle" beschreibt, dient aus Ratcliffes Sicht sowohl dem Sehnen "aller Entdecker und Offroad-Enthusiasten" als auch seinem Geschäftssinn. Ein Verkaufspreis von 50.000 Pfund werde angestrebt, ein Marktstart zum Ende des Jahrzehnts. Der jährliche Absatz soll in die Zehntausende gehen. Entwürfe hat Ineos allerdings noch nicht parat.

Aufpassen muss das Unternehmen offenbar mit den Markenrechten. Der "FT" zufolge suchte Ratcliffe eine Partnerschaft mit Jaguar Land Rover, blitzte jedoch mit der Idee ab. Das Unternehmen hat bereits 2016 gerichtlich verhindert, dass der kanadische Bahnausrüster Bombardier einen Geländewagen unter der Marke Defender herausbrachte - und kündigt an, "die Marke robust zu verteidigen".

Ratcliffe betont, dass es nicht um eine Kopie des Land Rover Defender gehe. "Unser neuer Geländewagen wird davon inspiriert, jedoch ein eigenständiges Fahrzeug mit vielen Verbesserungen im Vergleich zu vorherigen Modellen."

Die von Ratcliffe gelobte Robustheit des alten Geländewagens könnte eine Hürde beim Markteintritt darstellen: Die meisten der von 1948 bis 2016 gebauten gut zwei Millionen Defender sollen noch immer in Betrieb sein. Sie lassen sich leicht reparieren, die Ersatznachfrage ist daher gering.

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