13.01.2017  Umtriebiger Milliardenbetrüger

Kakaomonopol im Knast - Bernie Madoff zeigt Geschäftssinn hinter Gittern

Von
Auch in Haft geschäftstüchtig: Bernie Madoff vor Gericht 2009
AFP
Auch in Haft geschäftstüchtig: Bernie Madoff vor Gericht 2009

Gefangener #61727-054 ist eine große Nummer im Butner-Bundesgefängnis in Durham, North Carolina. Bernie Madoff, der das mit knapp 65 Milliarden Dollar wohl größte Schneeballsystem der Geschichte ins Rollen brachte und - bei guter Führung - theoretisch im Jahr 2139 entlassen werden dürfte, zeigt auch hinter Gittern Geschäftssinn.

Das zeigen Auszüge aus der neuen Audiodokumentation "Ponzi Supernova", die der Journalist Steve Fishman mit hunderten Interviews für Amazons Hörspielplattform Audible angefertigt hat. Fishman zufolge wird Madoff von seinen Mitinsassen oft um finanziellen Rat gebeten und sei "ein Star, weil er mehr Geld gestohlen hat als irgendjemand zuvor". Diesen Status gefährde er auch nicht, wenn er sich auf Kosten der anderen Häftlinge bereichere.

"Er wendet seinen Geschäftssinn auch im Gefängnis weiterhin an", zitiert das Portal "Marketwatch" Fishman. "Einmal hat er den Markt für heiße Schokolade gebunkert. Er hat jedes einzelne Paket der Marke 'Swiss Miss' in der Warenausgabe gekauft und mit Gewinn auf dem Gefängnishof verkauft. Er monopolisierte Kakao! Wer welchen wollte, musste zu Bernie."

Der "Guardian" hat weitere Belege dafür gefunden, dass der Betrüger das beste daraus macht, den Rest seines Lebens in Haft verbringen zu müssen - ungeachtet der Tatsache, dass er nach all dem Geld und dem guten Ruf auch seine beiden Söhne verlor, einen durch Selbstmord, den anderen an Krebs. In den Interviews gebe er beispielsweise an, dass seine Zellentür nachts nicht verschlossen werde. Und "ich habe ein ziemlich großes Panoramafenster - auch wenn man es nicht öffnen kann".

Fishman kommt es vor allem auf eine andere Botschaft an, die er mit Madoffs eigenen Worten verbreiten will. Statt des Einzeltäters, der die Wall Street narrte und etliche Promis wie Steven Spielberg oder Zsa Zsa Gabor übers Ohr haute, zeige Madoffs Geschichte ein verdorbenes Finanzsystem.

Das schmälere die kriminellen Instinkte seines Protagonisten zwar nicht, aber groß geworden sei der Schaden erst dank der Gier von Banken, Hedgefonds und vor allem deren Kunden, auch an den sagenhaften Scheingewinnen teilzuhaben. "Madoff hätte eine Art lokaler Schwindler sein können, bis er auf dieses massive Vertriebsnetz traf."

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen