13.12.2016  ExxonMobil-Chef als US-Außenminister

"T Rex" Tillerson: Worauf sich die Welt einstellen muss

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Sein großer Deal: ExxonMobil-Chef Rex Tillerson (r.) 2012 mit Russlands Präsident Wladimir Putin
REUTERS
Sein großer Deal: ExxonMobil-Chef Rex Tillerson (r.) 2012 mit Russlands Präsident Wladimir Putin

Viele der außenpolitischen "Falken" im US-Parlament brauchen nur das über Rex Tillerson wissen: Donald Trumps designierter Außenminister ist nicht nur seit bald elf Jahren Chef des führenden Ölmultis Exxon Mobil , sondern als solcher auch von Wladimir Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. "Das ist nicht, was ich vom Secretary of State erwarte", verkündet Senator Marco Rubio, der im außenpolitischen Ausschuss ein Wort über die Berufung mitzureden hat.

Aber die besondere Beziehung zu Russland und Tillersons Opposition zu den Handelssanktionen des Westens sind nur ein Aspekt des Global Players. "Rex weiß, wie man ein globales Unternehmen führt, und seine Beziehungen zu Führern rund um die Welt sind erstklassig", lobt Trump seine Wahl.

(West-)Europa allerdings muss sich an eine Rolle als Flyover Country gewöhnen. Angela Merkel steht zwar ebenso lange an der Spitze der größten europäischen Volkswirtschaft wie Tillerson den Kopf von Big Oil gibt. Doch dass die beiden engere Bande geknüpft hätten, ist nicht verbürgt; sie waren höchstens mal gleichzeitig auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

In Deutschland betreibt Exxon Mobil rund 1000 Esso-Tankstellen, ist an einer Raffinerie in Karlsruhe beteiligt und darf sich dank seiner Felder in der niedersächsischen Tiefebene größter Erdgasproduzent des Landes nennen. Alles in allem, einer von 60 Standorten des Konzerns und nicht gerade der interessanteste.

Irak, Iran, Russland, Jemen - er kennt die Hotspots der Außenpolitik

Den Großteil seiner Aufmerksamkeit hat "T Rex" Tillerson den Orten gewidmet, wo profitabel Öl zu fördern ist - und damit zugleich den Hotspots der amerikanischen Außenpolitik. Den Irak verärgerte er durch ein separates Abkommen mit der kurdischen Regionalregierung - aber erst, als andere aus der Branche vorgeprescht waren und die Kurden längst als akzeptable Geschäftspartner galten. Im Iran lässt er erstmal Total und Shell die großen Deals abschließen, solange die US-Sanktionen nicht komplett aufgehoben sind - "die Ersten sind nicht unbedingt die Besten".

In Russland feierte der Exxon-Chef seine größten Erfolge. Putins Orden von 2013 würdigte ein Multi-Milliarden-Joint-Venture mit Rosneft, das Exxon Mobil Zugang zur russischen Arktis brachte - bis die Sanktionen im Ukraine-Streit kurz darauf die bereits getätigten Investitionen unbrauchbar machten. Würden sie aufgehoben, könnte Exxon einen Erfolg verbuchen, wo Rivale BP zuvor gescheitert war. Schon in den 90er Jahren (vor Putins Präsidentschaft) hatte Tillerson ein Großprojekt vor der Küste der russischen Fernost-Insel Sachalin ausgehandelt.

Diplomatische Fähigkeiten waren in der Tat gefragt - und wurden sicher auch durch die Misserfolge des US-Konzerns geschult.

Das lukrative Joint-Venture im Jemen, das Tillerson einst verantwortete, wurde vom dortigen Parlament 2005 beendet. Den anschließenden Multi-Milliarden-Streit vor einem internationalen Schiedsgericht verlor Exxon Mobil. Mit dem blutigen Kriegsschauplatz auf der Arabischen Halbinsel, wo der US-Alliierte Saudi-Arabien kräftig mitbombt, ist der Ölmann also bestens vertraut. Als Außenminister wird Rex Tillerson auch Afrika nicht ignorieren können, wo der bitterarme Tschad seinem Konzern eine Forderung von satten 75 Milliarden Dollar präsentierte.

Tillerson trat durchweg zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu auf, eine deutliche Haltung zeigte er nur bei passender Gelegenheit.

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