03.11.2016  Diktator sucht Helfer

Die schräge Casting-Show des Ramsan Kadyrow

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Putin-Verehrer unter sich: Ramsan Kadyrow (links, mit Gerard Depardieu 2013)
REUTERS
Putin-Verehrer unter sich: Ramsan Kadyrow (links, mit Gerard Depardieu 2013)

Wer in Deutschland ein hohes Amt im Staatsdienst bekleiden möchte, hat zwei gleichermaßen mühsame Wege vor sich: Er kann entweder in einer Stadt-, Landes- und schließlich der Bundesverwaltung oder aber in einer Partei Karriere machen. In jedem Falle ist er Jahre, womöglich Jahrzehnte unterwegs.

In Tschetschenien ist der Weg zu den Rockzipfeln der Macht aktuell entschieden kürzer: Fürs erste reicht es schon, in einem Fußballstadion mit tausenden Menschen eine Choreografie zu orchestrieren. Im Stile von Donald Trumps TV-Show "The Apprentice" sucht Ramsan Kadyrow, für manche Präsident, für andere Diktator der Region im Nordkaukasus, einen Assistenten. 16 Bewerber sind angetreten, Kadyrow siebt mit verschiedenen Aufgaben nun nach und nach aus. Zu sehen gibt es das auf Russlands Staatssender Rossiya 1.

Der erste Tag des tschetschenischen Assessment Center findet etwa im genannten Fußballstadion statt: Kadyrow teile die Bewerber in zwei Gruppen ein, berichtet das Magazin "Slate". Jede solle 3000 Tschetschenen mit Pappschildern so anordnen, dass sie den Namen des jeweiligen Teams bilden. Weil die eine Gruppe jedoch nur Kadyrows Initialen hinbekommen habe, habe der Teamchef gehen müssen - vorher habe er jedoch immerhin noch einen Baum in einem Garten der Kadyrows pflanzen dürfen.

Der boxende Instagram-Präsident

"Bewerber müssen an jedem Tag und in jeder Stunde beweisen, dass sie Aufgaben pünktlich und genau erfüllen können, bereit sind, 24 Stunden am Tag zu arbeiten, jedwede Schwierigkeiten zu überwinden", übersetzt der "Guardian" aus dem russischen Trailer der Show, um "die interessantesten Projekte zusammen mit dem Team des Regierungschefs zum Leben zu erwecken."

Auf den Gewinner wartet weitere Arbeit: Er soll laut "MDR" eine "Agentur für strategische Entwicklungs Tschetscheniens" leiten. Erste Ideen hätten die Teilnehmer bereits entwickelt. Ein tschetschenisches Silicon Valley etwa, ein tschetschenisches Disneyland oder aber ein tschetschenisches Qualitätslabel a la "Made in Germany".

Kadyrow präsentiert seine Macht gern öffentlich: Auf seinem 2,1 Millionen Follower schweren Instagram-Auftritt zeigt er sich beim Krafttraining, beim Boxen oder bei Bloßstellungen von Ministern und Kritikern. Dass er nun auch noch den Weg ins russische Fernsehen suche, sei als weitere Publicity-Maßnahme zu verstehen, so von "Slate" interviewte Experten. Laut "International Crisis Group" versuche der Kreml, "Kadyrow als Marke zu unterstützen, als jemanden, der die kriegsgeplagte Republik in einen friedlichen, wohlhabenden Ort verwandelt hat, der loyal zum Putin-Regime ist und konservative Werte vermittelt."

Auch solle das Land selbst werbewirksam in Szene gesetzt werden. Schon der Trailer verspricht neben fordernden Aufgaben auch "die schönsten Ecken von Tschetschenien", Berggipfel, Seen, Waldwege - und Gastfreundschaft.

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