29.05.2017  Schere wird größer

Wohnungspreise in Metropolen rasen Einkommen davon

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Luxuswohnungen am Volkspark Friedrichshain in Berlin: Die Nachfrage in deutschen Großstädten ist größer als das Angebot, der soziale Wohnungsbau hinkt ohnehin hinterher, das treibt die Preise
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Luxuswohnungen am Volkspark Friedrichshain in Berlin: Die Nachfrage in deutschen Großstädten ist größer als das Angebot, der soziale Wohnungsbau hinkt ohnehin hinterher, das treibt die Preise

Wohnen zur Miete in einer deutschen Großstadt wird immer weniger erschwinglich. Also kaufen? Das können sich wohl nur noch Doppel-, Großverdiener oder Erben leisten. Denn in den Metropolen sind die Kaufpreise den Einkommen längst enteilt, zeigt eine Studie.

Wohnen in der Großstadt? Schon lange bekommen viele Lohnabhängige zu spüren, dass die Miete immer größere Anteile ihres Einkommens auffrisst. Günstige Mieten in München, Stuttgart oder Hamburg zum Beispiel aber auch in Studentenstädten wie Tübingen oder Münster gibt es nur noch im Ausnahmefall - die 2015 eingeführte Mietpreisbremse scheint weitgehend zu versagen. Da liegt der Schluss irgendwann nahe, eine Immobilie zu kaufen und zu finanzieren.

Doch die Kaufpreise in den Metropolen ziehen nicht minder an und haben sich mittlerweile sogar signifikant von den verfügbaren Einkommen der Einwohner dort abgekoppelt.

Die Preise für Wohnungen in den sechs größten Städten Deutschlands (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart) sind seit 2007 im Schnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen, berichtet der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Sie kletterten damit mehr als doppelt so stark wie in den städtisch geprägten Regionen Deutschlands insgesamt.

Dabei hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Metropolen nicht viel besser entwickelt als in anderen Städten Deutschlands. Soll heißen: "Die Preise sind in den vergangenen zehn Jahren um rund 45 Prozentpunkte stärker gestiegen als die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in den Metropolen", sagt BVR-Vorstand Andreas Martin.

Die Bundesbank hatte kürzlich von noch stärker gestiegenen Immobilienpreisen in deutschen Städten berichtet. "Die Ampel steht eindeutig auf Gelb", hatte Bundesbankvorstand Alexander Dombret erklärt und vor Übertreibungen insbesondere in den Großstädten gewarnt.

Was die Preise in den Metropolen hochhalten wird

Solche Übertreibungen, nehmen sie Form von Blasen an, könnten sich schnell entladen. Doch die BVR-Analysten rechnen nicht mit einer scharfen Preiskorrektur, sprich deutlich fallenden Kaufpreisen und Mieten. Vom demographischen Wandel weitgehend losgelöst werde die Nachfrage nach Wohnraum wegen des steten Zuzugs und der sinkenden Haushaltsgröße hoch bleiben in den Metropolen, sind die Banker überzeugt.

Zwischen 2012 und 2016 habe sich die Zahl der Einwohner in den sechs größten Städten Deutschlands um 480.000 erhöht, das Verhältnis von Wohnungen zu Einwohnern aber verschlechtert. Das habe "in erster Linie" die Preise in den Metropolen nach oben getrieben.

Investoren mag die Analyse positiv stimmen, Mieter und suchende Eigenheimbesitzer wohl eher nicht. Bedenklich stimmt auch: Die Gefahr der Gentrifizierung in Großstadtvierteln steigt damit erheblich, warnt der BVR. So provoziere der "scharfe Anstieg der Preise und Mieten zum Teil deutliche sozioökonomische Strukturveränderungen, die über ein vertretbares Maß im Sinne einer ausgewogenen Stadtstruktur hinausgehen".

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