28.09.2017  Lebensversicherer wollen Millionen Policen verkaufen

"Dieses Beben in der Lebensversicherung gefährdet die Vorsorge von mindestens 10 Millionen Menschen"

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Generali, Ergo und Axa suchen Käufer für ihr Geschäft mit Lebensversicherungen in Deutschland
REUTERS, DPA
Generali, Ergo und Axa suchen Käufer für ihr Geschäft mit Lebensversicherungen in Deutschland

Nach der Ergo erwägen nun auch die Generali und die Axa den Verkauf ihres Geschäfts mit Lebensversicherungen. Was bedeutet das für Millionen von Kunden, müssen Sie unter einem neuen Eigentümer Nachteile fürchten, sollten sie jetzt ihre Police womöglich verkaufen?

mm.de: Herr Kleinlein, mit der Ergo und der Generali kündigen zwei große Gesellschaften an, ihr Geschäft mit Millionen klassischer Lebensversicherungen verkaufen zu wollen. Die Axa erwägt das als ernsthafte Option.Würden Sie von einer Massenflucht sprechen?

Axel Kleinlein
imago
Axel Kleinlein ist Versicherungs-mathematiker. Bevor er sich dem Verbraucherschutz zuwandte, arbeitete Kleinlein in dieser Funktion auch für die Allianz. Der gefürchtete Kritiker der Assekuranz führt seit 2011 (mit kurzer Unterbrechung) den Bund der Versicherten (BdV) an. Die größte Verbraucherschutzorganisation für Versicherte in Deutschland. Vor allem mit seinen Studien zur Riester-Rente wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Kleinlein: In der Tat, das ist die Massenflucht! Mit dem geplanten Verkauf ziehen sich große Lebensversicherer millionenfach aus ihrer Verantwortung zurück und überlassen es irgendeinem Finanzinvestor, die Verträge weiterzuführen. Dieses Erdbeben in der Deutschen Lebensversicherung gefährdet die Altersvorsorge von mindestens 10 Millionen Menschen. Dieser 28. September wird in die Geschichte der deutschen Versicherungswirtschaft eingehen.

mm.de: Können Lebensversicherer einfach so die Verträge verkaufen?

Kleinlein: Ja, das ist möglich. Auch ohne Einverständnis des Kunden kann der Versicherer den Vertrag an einen anderen Versicherer oder Investor verkaufen. Die Versicherten sind dem einfach ausgeliefert und müssen darauf vertrauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Hier ist die Aufsichtsbehörde gefordert, zumindest die grundlegenden Erfordernisse zu überwachen.

mm.de: Worauf muss die Aufsicht achten?

Kleinlein: Dreh- und Angelpunkt sind die garantierten Leistungen, die gesichert sein müssen. Dazu muss das verkaufende Unternehmen dem Käufer das Deckungskapital für diese Verträge mitgeben. So soll gewährleistet werden, dass die garantierten Leistungen auf jeden Fall erfüllt werden können. Auch die bis dahin schon verbindlich zugesicherten Überschüsse werden übrigens davon erfasst und sind damit ziemlich sicher.

mm.de: Das versteht sich von selbst, möchte man meinen. Aber wie sieht es mit künftigen Überschüssen aus?

Kleinlein: Die zukünftige Überschussbeteiligung steht auf einem anderen Blatt. Die ist natürlich nicht garantiert und deshalb auch nicht im Fokus der Aufseher. Da bleibt nur das Prinzip Hoffnung, dass der Käufer der Policen eine faire und angemessene Überschussbeteiligung auch in Zukunft zahlen wird. Da besteht aber immer auch ein gewisser unternehmenspolitischer Spielraum.

mm.de: "Spielraum" ist diplomatisch formuliert. Das Neugeschäft ist stillgelegt, der Käufer muss mit attraktiven Gewinnbeteiligungen keine Neukunden mehr werben. Warum sollte er sich dann für die Bestandskunden anstrengen und Jahr für Jahr das Füllhorn über sie ausschütten?

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