09.05.2017  "Keine lebensbedrohlichen Probleme"

Finanzaufsicht würde Zügel bei Lebensversicherern lockern

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Bafin-Chef Felix Hufeld: Die ihm unterstellte Versicherungsaufsicht und auch der Präsident selbst plädieren für Erleichterungen der Lebensversicherer bei der Reservebildung
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Bafin-Chef Felix Hufeld: Die ihm unterstellte Versicherungsaufsicht und auch der Präsident selbst plädieren für Erleichterungen der Lebensversicherer bei der Reservebildung

Die Versicherungsaufsicht sieht die Lebensversicherer bei steigenden Solvenzquoten auf dem Weg der Besserung. Mit Blick auf zusätzlich zu bildende Puffer im Zinstief plädiert sie für eine Entlastung der Branche. Dabei erwarten Analysten, dass sich in Zukunft immer mehr Anbieter von ihren Policenbeständen trennen werden.

Spielt der Gesetzgeber mit, könnten die Lebensversicherer möglicherweise im kommenden Jahr mit Erleichterungen bei der Zinszusatzreserve rechnen. Dafür jedenfalls spricht sich die Finanzaufsicht Bafin aus. Angesichts der anhaltenden Zinsflaute werden die Unternehmen bis zum Jahresende weitere 20 Milliarden in die Zinszusatzreserve einzahlen, die dann branchenweit auf insgesamt 64 Milliarden Euro steigt.

Das sollte allmählich reichen, um die Zügel etwas zu lockern, zeigte sich Felix Hufeld am Dienstag überzeugt. "Das ist eine stolze Leistung - und ein wahrer Kraftakt", kommentierte der Bafin-Chef zur Jahrespressekonferenz die Höhe der aufgelaufenen Rücklagen. Mit ihnen sichern Unternehmen ihre langfristigen Zahlungsversprechen zusätzlich ab.

Hufeld plädierte dafür, dass der Gesetzgeber den Aufbau der zusätzlichen Reserven künftig "etwas weniger kraftraubend" gestaltet. Eine ganze Reihe von Anbietern finanziere das zusätzliche Polster bereits zu großen Teilen durch die Auflösung von stillen Reserven - also den Verkauf von Wertpapieren im Bestand.

Versicherungsaufsicht rechnet mit steigenden Solvenzquoten

Auch wenn die Versicherungsaufseher laut Insider-Angaben ein knappes Dutzend Anbieter besonders beobachtet und "in Manndeckung" nimmt, wie Hufeld unlängst betonte, hält die Aufsicht keines der Unternehmen für existentiell gefährdet. Trotz des dauernden Zinstiefs werde die Branche "kurz- und mittelfristig keine lebensbedrohlichen Probleme haben", betonte auch Frank Grund, Chef der Versicherungs- und Pensionsaufsicht bei der Bafin.

Über den Zustand eines Versicherers kann unter anderem seine Solvenzquote etwas aussagen. Am 22. Mai werden alle deutschen Versicherer erstmals individuell ihre Quoten veröffentlichen, die Auskunft über ihre finanzielle Stabilität geben sollen. Grund gab hier schon mal Entwarnung dergestalt, "dass diesmal alle Lebensversicherer die Solvenzquote nach Solvency II einhalten" werden.

Gern würden einige Anbieter ihre hohe Quote als Verkaufsargument für den Vertrieb einsetzen, doch klar ist: Der Laie wird mit der Interpretation der Zahlen überfordert sein. So haben die Unternehmen zum Beispiel Bewertungsspielräume, sie können Risiken unterschiedlich messen, auch ihre errechneten Quoten mit oder ohne Übergangsszenarien darstellen.

Eine höhere Solvenzquote allein ist schließlich auch wenig aussagekräftig, wenn der Kunde nicht weiß, welches Portfolio dahintersteht. Vor diesem Hintergrund warnte auch Grund vor einer Überinterpretation der Zahlen: "Zur Aufstellung einer Rangliste taugen sie nicht."

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