18.01.2018 
Beruhigung am Wohnimmobilienmarkt

Die Hausse der Häuserpreise kühlt ab

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Skyline von München: Die Preissteigerungen am deutschen Wohnimmobilienmarkt scheinen allmählich nachzulassen
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Skyline von München: Die Preissteigerungen am deutschen Wohnimmobilienmarkt scheinen allmählich nachzulassen

Seit etwa zehn Jahren befindet sich Deutschland im Wohnimmobilien-Boom - doch nun scheint sich der Markt allmählich abzukühlen. Sowohl in Großstädten als auch an weniger beliebten Standorten begannen die Preise für Wohnungen und Häuser kurz nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 teilweise rapide anzuziehen. Um mittlere bis hohe zweistellige Prozentwerte ging es seither auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt stellenweise aufwärts. In letzter Zeit allerdings mehren sich die Anzeichen, dass das Tempo, in dem die Preise steigen, zusehends nachlässt.

Bestätigt wird diese Beobachtung beispielsweise durch 220 Investoren, die am hiesigen Immobilienmarkt aktiv sind, und die die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) für ihr in dieser Woche veröffentlichtes Immobilien-Trendbarometer befragt hat. Die Marktteilnehmer gehen zwar zum weitaus größten Teil von vorerst weiter steigenden Wohnimmobilienpreisen in Deutschland aus, heißt es in der Studie. Die Tendenz verschiebt sich laut EY jedoch im Vergleich zu früheren Befragungen allmählich in Richtung gleichbleibender Preise.

Ein Grund für die zurückhaltende Erwartung geht aus dem Trendbarometer von EY ebenfalls hervor: Demnach nimmt die Zahl der Investoren, die im laufenden Jahr einen Anstieg des Zinsniveaus erwarten, merklich zu.

Auch am Deutschland-weiten Preis- und Miet-Index für Wohnimmobilien der Beratungsgesellschaft F+B lässt sich die Entwicklung ablesen. Der Index stieg im 3. Quartal 2017 im Vergleich zum Vorquartal nur noch "mit abgeschwächter Dynamik", wie F+B mitteilt, und zwar um 0,6 Prozent. Die Wachstumsdynamik zeige einen bundesweit abflachenden Trend, der an einzelnen Standorten deutlicher wahrnehmbar sei, so das Unternehmen.

Weltweite Marktberuhigung

Namentlich an den sieben wichtigsten Standorten München, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf und Köln steigen aufgrund der hohen Nachfrage von Selbstnutzern und Kapitalanlegern zwar insgesamt weiterhin die Preise. Doch die Dynamik lässt auch in diesen Metropolen nach, wie F+B schreibt. Erstmals seit Langem beispielsweise gab es auf Deutschlands wohl heißesten Wohnimmobilienmarkt in München im dritten Quartal laut F+B überhaupt keinen Preisanstieg sondern einen leichten Rückgang um 0,4 Prozent. Auch in Hamburg fiel die Steigerung mit 1,1 Prozent lediglich marginal aus.

Dazu passend teilte der Baufinanzierer Dr. Klein aus Lübeck kürzlich ebenfalls mit, die Preise in den südlichen Metropolregionen Deutschlands stiegen zwar weiterhin, jedoch "etwas weniger stark als in den Quartalen zuvor".

Sollte es tatsächlich zu einer Abkühlung am deutschen Wohnimmobilienmarkt kommen, so stünde Deutschland mit dieser Entwicklung indes nicht alleine da. Vielmehr sind gegenwärtig offenbar die Preissteigerungen bei Häusern und Wohnungen in aller Welt rückläufig. Das geht jedenfalls aus dem Global Residential Cities Index des britischen Maklerhauses Knight Frank hervor, in dem die Wohnimmobilienpreise in weltweit 150 Städten zusammengefasst werden.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ende 2016/Anfang 2017 verzeichnete der Index von Knight Frank noch Steigerungsraten um 6 Prozent und mehr je Quartal. Zuletzt jedoch sanken die Werte auf 5,8 Prozent im zweiten Quartal 2017 sowie 4,7 Prozent im dritten Quartal. Damit setze sich der Trend der weltweiten Verringerung der Wachstumsrate von Immobilienpreisen weiter fort, lautet das Urteil der Experten von Knight Frank.

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