29.10.2018 
Green Energy - Wohnen in energieautarken Neubauten

"Gute Chancen, Miet-Flatrates in Großstädten hinzukriegen"

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Timo Leukefeld, 49, ist auf vernetzte, energieautarke Gebäude spezialisiert. Der frühere Inhaber einer Solartechnikfirma lehrt als Honorarprofessor an der TU Bergakademie Freiberg und BA Glauchau und berät mit seinem Unternehmen Bauherren bei der Planung energieautarker Bauprojekte
Timo Leukefeld
Timo Leukefeld, 49, ist auf vernetzte, energieautarke Gebäude spezialisiert. Der frühere Inhaber einer Solartechnikfirma lehrt als Honorarprofessor an der TU Bergakademie Freiberg und BA Glauchau und berät mit seinem Unternehmen Bauherren bei der Planung energieautarker Bauprojekte

Vom klassischen Energiesparen hält er wenig, von "intelligenten Verschwenden" dafür umso mehr: Timo Leukefeld hat gemeinsam mit einer Wohnbaugenossenschaft Häuser in Cottbus geplant, deren Wohnungen zur Pauschale von 10,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden.

Im Interview erklärt Leukefeld, weshalb er für sein Flatrate-Modell auch in Großstädten gute Chancen sieht, warum er Warmwassertanks den Vorzug vor Photovoltaikanlagen gibt - und wie er die Nutzung von Elektroautos in eine Pauschalmiete integrieren will.

manager-magazin.de: Herr Leukefeld, in Deutschland ist billiger Wohnraum vor allem in den Metropolen rar. Sie haben Miethäuser in Cottbus mitentwickelt, die einen Großteil der in ihnen verbrauchten Energie selbst erzeugen - und ihren Mietern deshalb eine Pauschalmiete von 10,50 Euro pro Quadratmeter inklusive aller Strom- und Heizungsnebenkosten ermöglichen. Ließe sich so ein Konzept auch auf Großstädte übertragen?

Timo Leukefeld: Wir haben gerade den Test in einem schwierigen Wohnungsmarkt gesucht. In Cottbus gibt es zehn Prozent Leerstand und alte Platten-Wohnungsbauten aus der DDR, die direkt nebenan für 3,50 Euro je Quadratmeter kalt vermietet werden. Wenn innovative Ansätze dort funktionieren, dann ist es ein Garant dafür, dass dies in den großen Metropolen erst recht funktioniert. Denn dort wird ja alles verkauft. Deshalb war uns der Test in einem schwierigen Marktumfeld wichtig. Wir wollten eben am Anfang nicht gleich in Berlin, München oder Hamburg beginnen. Ich sehe da gute Chancen, das auch in Großstädten hinzukriegen.

Was haben die Mieter davon, dass Ihr Wohnhaus kaum Strom oder Warmwasser von den üblichen Versorgern bezieht?

Am Ende geht es nicht nur um Energieerzeugung. Wichtig war es, einen Mietpreis anbieten zu können, in dem Wärme und Strom als Flatrate für zehn Jahre zum Festpreis bereits inkludiert sind. Das garantiert langfristig günstiges Wohnen.

Gebaut hat die Häuser in Cottbus eine Wohngenossenschaft, die sich weniger stark an Gewinnen orientiert als private Bauträger. Funktioniert ihr Konzept denn auch für private Bauträger?

Ja, die Baukosten wären ja ähnlich. Ein privater Bauträger hat eine höhere Renditeerwartung als eine Genossenschaft. Dann wäre die Pauschalmiete wohl ein kleines Stück höher, aber nicht viel. In Cottbus wären wir dann wohl bei 10,90 Euro pro Quadratmeter gelegen. Das ist dann die Spanne, wo sich die Rendite erzielen lässt, die Private wünschen und die auch noch vermarktbar ist. In München aber kämen sie mit diesem Preis nicht hin. Denn dort sind die Grundstücks- und Baukosten höher als in Cottbus.

Statt das ganze Dach mit Solaranlagen zu pflastern, setzen sie jedoch zum großen Teil auf Solarthermie - also die Erzeugung von Warmwasser durch Sonne. Warum?

Solarthermie erzeugt aus Sonne heißes Wasser. Sie hat einen dreimal so hohen Wirkungsgrad wie die Photovoltaik. Im Keller der Häuser haben wir einen 24.000 Liter großen Langzeitwärmespeicher mit Wasser, der über mehrere Wochen Wärme speichern und Sonnenenergie mit in den Winter nehmen kann. Dieser Langzeitspeicher und die Solarthermie auf dem Dach sind die tragenden Säulen. Wenn der Tank noch größer wäre, könnten die Bewohner damit auch über den kompletten Winter kommen. Doch davon halte ich nichts, weil das zu teuer wäre. Die letzten 30 Prozent Autarkie kosten so viel wie die ersten 70 Prozent.

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