27.04.2018 
3,5 Milliarden Euro im Feuer

Weitere Pleiten - der P&R-Skandal wird noch größer

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Container auf Schiffen im Hamburger Hafen: Tausende Anleger, die über P&R in die Stahlkisten investiert haben, bangen inzwischen um ihr Geld.
REUTERS
Container auf Schiffen im Hamburger Hafen: Tausende Anleger, die über P&R in die Stahlkisten investiert haben, bangen inzwischen um ihr Geld.

Nach den Pleiten von drei Töchtern des Münchener Geldanlage-Unternehmens P&R haben zwei weitere Gesellschaften der Gruppe Insolvenz beantragt. Damit ist praktisch die komplette Unternehmensgruppe, jedenfalls was den in Deutschland ansässigen Teil angeht, pleite.

Bei den beiden Firmen, die zuletzt Insolvenz beantragt haben, handelt es sich um die P&R Transport-Container GmbH und die P&R AG, beide mit Sitz in Grünwald bei München. Darüber informiert die Anwaltskanzlei Jaffé in München, deren Anwälte Michael Jaffé sowie Philip Heinke auch als vorläufige Insolvenzverwalter der beiden Firmen eingesetzt wurden. Beide Juristen betreuen bereits die vorläufigen Insolvenzverfahren der P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, der P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie der P&R Container Leasing GmbH, die Mitte März Insolvenz beantragt hatten.

Mit den zusätzlichen Pleiten weitet sich der Anlageskandal um P&R aus. Das Unternehmen hatte Investments in Container offeriert und insgesamt mehr als 50.000 Kunden betreut. Die P&R AG fungierte laut Insolvenzverwalter im Wesentlichen als Management- und Dienstleistungsgesellschaft in den Bereichen Marketing und EDV. Sie beschäftigt 25 Mitarbeiter.

Die P&R Transport-Container GmbH dagegen war wie die drei früher insolventen Schwesterfirmen im Vertrieb der Containerinvestments aktiv. 14.900 Kapitalanleger steckten Geld in die Offerten des Unternehmens, so die Kanzlei Jaffé, wobei es sich bei 95 Prozent der Betroffenen um Investoren handele, die bei den anderen drei Gesellschaften ebenfalls Container erworben hatten.

Nach Angaben des Branchenkenners Stefan Loipfinger steckten die 14.900 Investoren etwa 400 Millionen Euro in die Offerten der P&R Transport-Container GmbH. Das Gesamtvolumen des P&R-Anlageskandals liegt nach Angaben Loipfingers damit bei etwa 3,5 Milliarden Euro, womit es sich um den größten Anlageskandal handeln dürfte, den es in Deutschland bislang gab.

Ein Fall für den Staatsanwalt?

Brisant: Vor wenigen Tagen hatte Insolvenzverwalter Jaffé in einer ersten Benachrichtigung über den Zwischenstand seiner Bestandsaufnahme bereits über merkwürdige Kapitalströme innerhalb der P&R-Gruppe berichtet. Loipfinger schlägt nun in eine ähnliche Kerbe.

Nach Angaben des Fachjournalisten finden sich in den Verkaufsprospekten der P&R Transport-Container GmbH einige Informationen, die Fragen aufwerfen. Demnach verfügte die P&R Transport-Container GmbH zum Zeitpunkt der Prospekterstellung, also 2017, über eine Forderung in Höhe von 321,5 Millionen Euro gegenüber ihrer Schwesterfirma, der ebenfalls heute insolventen P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH. Das habe jedoch nicht sein dürfen, so Loipfinger, denn die Transport-Container GmbH hätte seinen Angaben zufolge ihr Kapital zum Kauf von Container an die P&R Equipment & Finance Corp. in der Schweiz überweisen müssen. Gegenüber letzterer jedoch fand sich in den Unterlagen Loipfinger zufolge eine Verbindlichkeit über 317 Millionen Euro.

Christoph Rottwilm auf Twitter

"Die von der BaFin zum Vertrieb freigegebenen Verkaufsprospekte enthielten klare Hinweise darauf, dass bereits 2017 massive Lücken bei den im März 2018 insolvent gewordenen P&R-Gesellschaften bestanden", schreibt Loipfinger auf seiner Website Investmentcheck.de. Seiner Ansicht nach müsste in dem Fall daher längst ein Staatsanwalt aktiv sein.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kapitalanlagedebakel, bei dem Tausende Anleger zu Schaden kamen, ein strafrechtliches Nachspiel hätte.

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