17.04.2018 
51.000 Anleger bangen um ihr Geld

P&R-Insolvenzverwalter finden fragwürdige Geldströme

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Container im Hamburger Hafen: Tausende Anleger investierten bei P&R in die Stahlboxen - und bangen nun um ihr Geld.
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Container im Hamburger Hafen: Tausende Anleger investierten bei P&R in die Stahlboxen - und bangen nun um ihr Geld.

Zur Pleite von drei Gesellschaften des Graumarkt-Unternehmens P&R, von der rund 51.000 Geldanleger betroffen sind, haben die vorläufigen Insolvenzverwalter erstmals einen Zwischenstand gemeldet - und der fällt nicht unbedingt beruhigend aus.

Die drei P&R-Firmen, über die Anleger vermutlich eine Milliardensumme in Container investiert hatten, hatten Mitte März Insolvenz angemeldet. Wie die Kanzlei Jaffé in München, bei der beide eingesetzten Insolvenzverwalter tätig sind, einen knappen Monat nach Eröffnung der vorläufigen Insolvenzverfahren nun mitteilt, gestaltet sich die Bestandsaufnahme bei den drei Firmen schwierig.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sei zusammen mit der Kanzlei Jaffé dabei, Informationen und Zahlen aufzubereiten und zu analysieren, so die Mitteilung. Dazu erfolge ein "intensiver Datenaustausch" mit der in der Schweiz ansässigen P&R-Gesellschaft, die die weltweite Vermarktung der Container für die insolventen Firmen organisiert hat.

Das Problem: Zwar kooperieren nach Angaben von Kanzlei Jaffé alle Beteiligten. Es habe sich aber gezeigt, dass viele wichtige Daten in den Systemen in der benötigten Form nicht vorhanden seien. Diese Daten müssen nun teilweise in aufwändiger Kleinarbeit ermittelt werden, so Kanzlei Jaffé. Dabei handele es sich um ein "enormes Datenvolumen, das nur mit Hochleistungsrechnern verarbeitet werden kann".

Die gesamte Bestandsaufnahme werde aus diesen Gründen noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so die vorläufigen Insolvenzverwalter. Unterdessen soll allerdings die Vermietung der Container ungestört weiterlaufen, denn jede Störung des Geschäftsbetriebs könne schwerwiegende Folgen für die Gläubiger haben. Die Anleger bittet die Kanzlei vor dem Hintergrund, vorläufig Ruhe zu bewahren und den weiteren Verlauf des Verfahrens abzuwarten.

Mieteinnahmen decken Verpflichtungen nicht

"Wenn die Container störungsfrei weitervermietet und damit auch versichert bleiben, ist das Risiko der Anleger für Standgebühren oder durch die Container verursachte Schäden herangezogen zu werden, gering", sagt Insolvenzverwalter Philip Heinke. "Nachschusspflichten gibt es für die von der Insolvenz der drei P&R Container-Verwaltungsgesellschaften betroffenen Anleger in diesem Fall aller Voraussicht nach nicht."

Einerseits. Andererseits ist aber offenbar auch nicht ausreichend Geld vorhanden, um alle Anlegeransprüche zu befriedigen, was ja an der Eröffnung der vorläufigen Insolvenzverfahren recht deutlich zu erkennen ist.

"Schon jetzt ist klar, dass in den vorhandenen Containern erhebliche Werte verkörpert sind", sagt zwar Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Aber: "Zugleich zeigen die ersten Zahlen, dass trotz fallender Weltmarktpreise in den Jahren 2012 bis 2016, vor allem in den Jahren 2016 und 2017 Container veräußert wurden, um die Mieten zu zahlen und Rückkäufe zu tätigen, mithin die hohen Rückzahlungen in diesen Jahren an die Anleger darzustellen."

Sprich: P&R hat Verpflichtungen gegenüber Anlegern zuletzt offenbar mit Geldern erfüllt, die zu diesem Zweck nicht gedacht waren. Auch deshalb decken die heutigen Mieteinnahmen aus der Containerflotte die Verpflichtungen gegenüber den Anlegern nicht mehr, was zur Insolvenz führte, so Jaffé.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters lässt sich derzeit noch nicht abschließend sagen, wann und in welcher Höhe Rückflüsse an die Anleger erfolgen werden. Den betroffenen Investoren bleibe aber in jedem Fall noch ausreichend Zeit, ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren anzumelden - allerdings erst, nachdem das Amtsgericht München die Insolvenzverfahren für die drei P&R-Firmen auch tatsächlich eröffnet hat.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Hintergrund: Die bereits 1975 gegründete P&R-Unternehmensgruppe betreibt seit Jahrzehnten das Geschäft mit Containerinvestments als Marktführer und hat während der Zeit eigenen Angaben zufolge Milliarden an Anlegergeldern mobilisiert. Allein in den vergangenen zehn Jahren verkaufte P&R den Angaben auf der Firmenwebsite zufolge Container im Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro an Investoren. Gegenwärtig verwaltet die Unternehmensgruppe demnach Stahlboxen im Umfang von 1,25 Millionen TEU (Standardcontainermaß) für etwa 50.000 Investoren.

Nach Angaben des Fachjournalisten und Branchenkenners Stefan Loipfinger beläuft sich das Volumen der Anlegergelder, die zurzeit in P&R-Investments stecken, auf etwa 3,5 Milliarden Euro.

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