09.03.2018 
Philatelie-Welt in Aufruhr

Bill Gross erschüttert jetzt einen fast vergessenen Markt

Von
Bill Gross sah sich bei seiner Briefmarkensammlung als "temporärer Kurator" - nun lässt er sie versteigern
REUTERS
Bill Gross sah sich bei seiner Briefmarkensammlung als "temporärer Kurator" - nun lässt er sie versteigern

Er gründete die US-Anlagefirma Pimco, leitete lange den weltgrößten aktiv gemanagten Rentenfonds - und lieferte sich nach seinem Abschied bei Pimco einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Allianz: Bill Gross gilt als einer der großen - und umstrittenen - Manager der Fondsbranche.

Doch der einst gefeierte "Anleihenkönig" hat auch ein altmodisches Hobby: Er sammelt Briefmarken, vorrangig amerikanische. Wie es sich für einen Starinvestor geziemt, hat Gross sich dabei nur die Rosinen rausgepickt - und versetzt nun die Philatelie-Welt in Aufruhr. Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, will Gross den wertvollsten Teil seiner Sammlung nun versteigern lassen - und zwar seine komplette Kollektion an US-Postwertzeichen.

Der erste Teil seiner Sammlung soll im September unter den Hammer kommen. Das sorgt weltweit für Unruhe bei Philatelie-Fans - die nun die Chance haben, ihre Kollektionen um besonders wertvolle Stücke zu ergänzen. Denn Gross Sammlung amerikanischer Postwertzeichen gilt als die umfassende eines Privatmannes. Sie ist satte 42,2 Millionen Dollar wert. Das geht aus Scheidungspapieren hervor, die Gross im vergangenen Oktober bei Gericht einreichte.

"Es gab noch nie eine private Kollektion von US-Briefmarken, wie sie Bill Gross zusammengestellt hat", erklärte Cheryl Ganz, eine Philatelie-Kuratorin des Smithsonian National Postal Museums, gegenüber Bloomberg. "Er erwarb in jedem Fall nur das Beste vom Besten". Das Postmuseum hat von Gross 10 Millionen Dollar erhalten, um die Sammlung aufzubauen - und offenbar ganze Arbeit geleistet.

Denn viele der wertvollsten Briefmarken befinden sich längst in Händen von Museen oder großen Privatsammlungen. Das hat das Interesse kleinerer privater Sammler an den Postwertzeichen-Preziosen in den vergangenen Jahrzehnten etwas einschlafen lassen. Nun haben Sammler weltweit die Chance, Gross' einzigartige Stücke zu erwerben - aus Sammlerleidenschaft, aber wohl auch als mögliche Geldanlage.

Gross spendet kompletten Versteigerungserlös

"Das ist ein wichtiger Moment für den Briefmarkenmarkt", meint einer von Gross langjährigen Beratern. Nur einmal pro Generation komme eine wirklich wichtige Sammlung auf den Markt. "Das gibt neuen Sammlern die Chance, etwas Besonderes zu erwerben. Es öffnet das Material", meint er gegenüber Bloomberg.

Gross wirft seine Sammlung aber nicht auf einmal auf den Markt. Das New Yorker Auktionshaus Robert A. Siegel, wird in den kommenden zwei bis drei Jahren mehrere Versteigerungen durchführen. Bei der ersten Versteigerung kommen 150 Stücke unter den Hammer, der Schätzwert dürfte über 10 Millionen Dollar liegen.

Gross hat über Jahrzehnte die vollständigste Sammlung an Postmarken des U.S. Postal Service aufgebaut, berichtet Bloomberg. Er besitzt sowohl individuelle Postmarken, Serien und abgestempelte Umschläge. Ein Album enthält etwa hunderte Stück der ersten US-Postwertzeichen aus dem Jahr 1847.

Der heute 73-jährige Gross, der nun als Fondsmanager bei Janus Henderson arbeitet, startete die Sammlung im Jahr 1992. Im Laufe der Jahre hat er 27 Millionen Dollar durch Briefmarkenverkäufe eingenommen. Das eingenommene Geld stiftete er für wohltätige Zwecke.

Genau das hat er auch nun vor. Die Auktionserlöse, kündigte Gross gegenüber Bloomberg an, gehen an Wohltätigkeitsorganisationen. Er habe sich immer nur als "temporärer Kurator" dieser Philatelie-Schätze gesehen, begründete Gross die Auflösung seiner Sammlung. "Eines Tages sollten andere die Gelegenheit, Ehre und Verantwortung haben, die neuen Sammler zu werden", beschrieb er gegenüber Bloomberg.

Denn angewiesen ist Gross auf das Geld nicht: Sein Privatvermögen wird auf gut 1,6 Milliarden Dollar geschätzt. Da fallen 42 Millionen nicht so ins Gewicht.

Mehr zum Thema