08.12.2017  Die Geheimnisse der Zinsstruktur

Wie Investoren einen der Top-Crash-Indikatoren richtig lesen

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Aktienanleger nach Kurssturz: Frühindikatoren sollen Überraschungen vermeiden helfen
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Aktienanleger nach Kurssturz: Frühindikatoren sollen Überraschungen vermeiden helfen

Es ist das ominöse Z-Wort, bei dem mancher Investor zusammenzuckt: Zinsstrukturkurve. Dabei ist der Zusammenhang eigentlich sehr leicht zu verstehen - und er liefert Anlegern wertvolle Informationen.

Die Börse seit neun Jahren beinahe pausenlos im Aufschwung, die Aktienkurse in Europa sowie an der Wall Street und anderen wichtigen Handelsplätzen auf Rekordniveau - da dürften sich nicht wenige die Frage stellen, wann es wieder einmal richtig abwärts geht am Aktienmarkt. Und vor allem: Wie können Investoren einen solchen Abschwung frühzeitig erkennen und sich entsprechend positionieren?

Es gibt einige Kennzahlen und Parameter, die für solche Zwecke als Frühindikatoren genutzt werden. Kaum einem Signalgeber schenken Fachleute jedoch so viel Beachtung wie der sogenannten Zinsstrukturkurve.

Da ist es wieder, dieses ominöse Z-Wort: die Zinsstrukturkurve. Immer wieder taucht der Begriff in den Wirtschaftsmedien auf. Gerade aktuell beispielsweise ist vielfach die Rede davon, es bestehe die Sorge vor einer kommenden Rezession in den USA, weil dort die Zinsstrukturkurve abflache. Viele Leser dürften da reflexhaft wegklicken oder weiterblättern, denn wer beschäftigt sich schon gerne genauer mit etwas, bei dem der bloße Name bereits vor allem zweierlei erwarten lässt: staubtrockene akademische Materie und sperrige, schwer verdauliche Komplexität.

Doch so schwierig ist es eigentlich gar nicht: Die Zinsstrukturkurve zeigt an, welches Niveau die Zinsen von Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen mit zunehmenden Laufzeiten haben. Der Chart steigt normalerweise von links nach rechts an, weil die Zinsen für Anlagen mit kurzer Laufzeit in der Regel niedriger sind als jene mit langer Laufzeit. Schließlich ist bei längerer Frist auch das Risiko des Geldgebers höher.

Entscheidend sind die Erwartungen

Als wichtiges Warnsignal gilt es jedoch, wenn die Zinsstrukturkurve flacher wird, wenn sich kurzfristige und langfristige Zinsen also zunehmend annähern, oder wenn die Kurve gar komplett kippt. Im letzteren Fall, wenn also die kurzfristigen Zinsen sogar höher sind als die langfristigen, spricht die Fachwelt von einer "inversen Zinsstrukturkurve". Diese Entwicklung gilt vielen als Alarmzeichen für eine kommende Rezession, und tatsächlich zeigt die Erfahrung: In der Vergangenheit gingen zwar nicht allen, aber doch vielen wirtschaftlichen Abschwüngen Phasen mit inversen Zinsstrukturkurven voraus.

Warum ist das so? Dazu muss zunächst klargestellt werden, dass für das Zinsniveau, das der Zinskurve zugrunde liegt, ähnlich wie bei Aktienkursen an der Börse vor allem entscheidend ist, welche Erwartungen die Investoren an künftige Entwicklungen haben. Denn danach richten sie sich bei ihrer aktuellen Positionierung am Markt.

Wenn also Investoren mehrheitlich sinkende Zinsen erwarten, dann kaufen sie verstärkt langlaufende Anleihen mit vergleichsweise noch hoher Verzinsung, solange es diese noch gibt. Es steigt also die Nachfrage nach langlaufenden Anleihen und es sinkt im Umkehrschluss das Interesse an Kurzläufern. In der Folge steigen auch die Kurse der Anleihen mit langer Laufzeit - und deren Rendite sinkt. Ebenso dürften die Kurse der Papiere mit kürzerer Laufzeit sinken, woraufhin deren Rendite steigt. Wenn diese Entwicklung lange genug anhält, rutschen irgendwann die langfristigen Zinsen unter das Niveau der kurzfristigen und die Zinsstrukturkurve ist invers.

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